Samstag , 18. November 2017
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Ist Jerome Lambert, der geeignete Nachfolger von Georges Kern? Wir würden nein sagen, da er sich zu stark von der Deutschen Uhren-Journaille instrumentalisieren lässt!

Richemont hat endlich einen neuen Uhrenchef

Der Richemont Konzernchef Johann Rupert hat sich für einen langjährigen Firmenveteranen entschieden und hat kürzlich einen Chefposten für das operative Geschäft geschaffen, der jetzt mit Jérôme Lambert besetzt wird. Mit der Ernennung beendet Richemont eine schon Monate andauernde Führungskrise. Lambert’s Vorgänger hatte im Sommer nur wenige Monate nach seiner Ernennung das Handtuch geworfen und war zum Konkurrenten Breitling gewechselt, wo er für eine Überraschung sorgen muss.

Jérome Lambert hat eine klare Aufgabe, er soll das kriselnde Uhrengeschäft wieder auf Trab bringen. Der gebürtige Franzose, Jahrgang 1969, ist als COO ab sofort für alle Marken ausser Cartier und Van Cleef & Arpels zuständig. Wie bis anhin wird er sich um die regionalen Plattformen und den zentralen Support der Marken kümmern. Nicht inkludiert sind Finanzen, Personalwesen und Technologie. Die Umorganisation war nötig, weil Georges Kern Mitte des Jahres überraschend zurückgetreten war und als CEO und Kleinaktionär zu Breitling gewechselt ist.

Emmanuel Perrin mit der US Rechtsanwältin Sultan Law

„Lambert ist der beste Kandidat, um irgendwann Firmenchef zu werden“, schreiben euphorisch die Analysten von der Exane BNP Paribas. Ihre Kollegen von Citi sehen den Manager bereits jetzt in der Rolle eines „quasi CEO“. Denn diese Führungsposition ist seit dem Rücktritt des früheren Firmenchefs Richard Lepeu vakant. Seitdem wird Richemont von einem Führungskomitee gesteuert, dem künftig auch Emmanuel Perrin angehören soll. Der ebenfalls langgediente Richemont-Manager, vormals internationaler Vertriebschef von Cartier, übernimmt die Verantwortung für den Vertrieb des Uhrengechäfts und steht so Lambert zur Seite.

Auf die beiden Manager kommt eine grosse Herausforderung zu: Zwar verdiente Richemont in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 974 Millionen Euro und damit 80 Prozent als vor Jahresfrist. Zulegen konnte Richemont jedoch vor allem bei Schmuck, wo der Umsatz um 15 Prozent stieg. Bei den Uhrenmarken legten die Erlöse 6 Prozent zu. Im Uhrengeschäft machen Richemont weiterhin hohe Lagerbestände bei den Handelspartner zu schaffen. Für das Gesamtjahr dämpfte Richemont die Erwartungen: Das Wachstum werde sich nicht mit der gleichen Geschwindigkeit fortsetzen wie im ersten Halbjahr. Denn in der ersten Hälfte habe die Firmen auch von besonders schlechten Vergleichszahlen profitiert. An der Börse verlor die Richemont-Aktie daraufhin knapp vier Prozent und war damit der grösste Verlierer im Schweizer Leitindex.

Der neue Chief Operation Officer (CCO) Jérôme Lambert ist praktisch zweite Wahl, erst nach dem alle potentiellen externen Nachfolger von Georges Kern abgelehnt haben, wurde auf Lambert, zurückgegriffen. Lambert war unteranderem auch ein Grund, weshalb Kern den Richemont-Konzern verliess. Lambert, der ehemalige Montblanc und Jaeger-le-Coultre CEO – beide Marken gehören zum Konzern – hat bei Richemont – aufgrund der nachgesagten Nähe zum umstrittenen Syndikat WWMG World Watch Media Guild und zur deutschen Uhren-Journaille – wenig Rückhalt. Es ist eine Frage eines geeigneten Zeitpunkts, bis Lambert das Unternehmen verlassen wird. Sein Nachfolger ist mir bereits schon bekannt.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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