Freitag , 20. Oktober 2017
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Auch Richemont wurde von den Auswirkungen des starken Schweizer Franken getroffen

Richemont: Rückkauf von Lagerbeständen beim Handel

A. Lange & Söhne, Baume & Mercier, Cartier, IWC, Jaeger LeCoultre,  Montblanc, Panerai, Piaget, Roger Dubuis, Vacheron Constantin, Van Cleef & Arpels, Inhaber betonen die gewaltigen neuen Herausforderungen des Luxusbereich mit Blick auf die Zukunft und sorgen für drastische Massnahmen.

Die Umsätze der Luxusgruppe Richemont sind deutlich zurückgegangen, sodass sich die Schweizer Eigentümer von A. Lange & Söhne, Baume & Mercier, Cartier, IWC, Jaeger LeCoultre,  Montblanc, Panerai, Piaget, Roger Dubuis, Vacheron Constantin, Van Cleef & Arpels, gezwungen sahen, die Lagerbestände von in Hong Kong ansässigen Händlern auf Bitten der Händler gegen angesagtere Modelle umzutauschen. Die Rückläufer werden entweder an Orte mit stärkerer Nachfrage verschifft oder teilweise sogar demontiert und eingeschmolzen.

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Richard Lepeu, Richemont Gruppen CEO, wirkt skeptisch.

Richard Lepeu, Chef der in Genf ansässigen Gruppe sagte, der Schritt sei eine „aussergewöhnliche Massnahme“ unter „aussergewöhnlichen Umständen“. Lepeu bringt es auf den Punkt: „Aussergewöhnliche Situation erfordern aussergewöhnliche Massnahmen“. Derzeit seien die Zeiten vor allem für die Uhrenindustrie „sehr schwierig“, meint Lepeu.

Die Branche befindet sich in einer der tiefsten Krisen ihrer Geschichte. Seit Jahresbeginn sind die Exporte der Branche um fast ein Zehntel (9,5 Prozent) eingebrochen, wie die Schweizer Zollbehörden mitteilen. Dass die Lage sehr ernst ist, ist nicht neu. Doch sie scheint sich weiter zu verschlimmern. Im April fiel das Minus bereits zum zweiten Mal in Folge sogar zweistellig aus. Nominal um satte 11 Prozent. Um Arbeitstage bereinigt um 15 Prozent – real um mehr als 18 Prozent. Im März hatte das Minus den Angaben zufolge bereits bei 16 Prozent (real 21 Prozent) gelegen.

Während die USA mit einem minimalen Export-Plus einen kleinen Lichtblick boten, zeigten die Ausfuhren anderer wichtiger Märkte steil nach unten. In China betrug das Minus laut Verband der Schweizer Uhrenindustrie satte 36 Prozent, was das Land von Platz drei der wichtigsten Abnehmerländer auf Rang sechs katapultiert. Auch in Frankreich (minus 31,4 Prozent), Deutschland (minus 11,1 Prozent) und Italien (minus 12,3 Prozent) fiel der Rückgang eklatant aus. Vor allem teure Stücke mit einem Wert von mehr als 3000 Schweizer Franken erwiesen sich als Ladenhüter. Angesichts solcher Zahlen sprach Helvea-Analyst Andreas von Arx von einem Sturm, der die Branche erfasst.

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Jean-Daniel Pasche, Präsident des Schweizer Uhren Verbands ist Berufs-Optimist

Die Richemont Geschäftsergebnisse für das Jahr 2015/16, die am 31. März 2016 in einer Bilanz-Pressekonferenz präsentiert wurden, sind gekennzeichnet von den Auswirkungen des starken Schweizer Frankens, der neuen Gesetzgebung gegen die Korruption in China, einem Überangebot von Händlern, dem trägen Wachstum der Weltwirtschaft und der geopolitischen Unsicherheit.

Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 11,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das sind zwar 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Wachstum verdankt der Konzern allerdings Währungseffekten. Bereinigt um Wechselkurseffekte hatte ein Rückgang von 13 Prozent resultiert. Weltweit gingen die Umsätze mit Uhren bei konstanten Wechselkursen um 8 Prozent zurück. Richemont bezweifelt, dass sich das Umfeld in nächster Zeit deutlich verbessern wird. Langfristig sei man aber überzeugt, dass eine Nachfrage für qualitativ hochstehende Güter bestehe.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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