Sonntag , 20. August 2017
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Rolex verwendet Uhrwerke von Breitling

Der Schweizer Hersteller von Pilotenuhren kooperiert mit Rolex. Das heizt die Übernahmegerüchte zusätzlich an.

Breitling ist schon seit längerer Zeit als potentieller Übernahme-Kandidat im Gespräch. Vor allem auch deshalb da eine Bank vor einem Jahr den Auftrag von Breitling erhielt einen adäquaten Käufer zu finden. An der diesjährigen Ausgabe der Baselworld wurde dieses anfängliche Gerücht durch die Tatsache bestärkt, dass Rolex auf Uhrwerke von Breitling zurückgreift. Eine Übernahme durch Rolex könnte durchaus vorstellbar sein.

Nach Einschätzung von René Weber, Branchenanalyst der Bank Vontobel, könnten die folgenden drei Konzerne Swatch-Group, Richemont und auch LVMH auch an einer Übernahme von Breitling interessiert sein. „Breitling ist eine starke Marke, die mit dem Fokus auf sportliche Pilotenuhren eine gute Nische gefunden hat.“ Weber veranschlagt den Umsatz von Breitling, das 140 000 bis 150 000 Uhren im Jahr produziert, auf rund 370 Millionen Franken. Obwohl über die Ertragslage nichts bekannt ist, schätzen Analysten den Kaufpreis für das Unternehmen auf 600 bis 900 Millionen Franken.

Auf Anfrage des Tick-Talk.ch bei Johann Rupert, Verwaltungsratspräsident der Genfer Richemont Gruppe, meint er über die Breitling Gerüchte informiert zu sein. „Ich bin nicht wirklich interessiert an der Marke, ich bin zu Calvinistisch ausgerichtet!“

In einem größeren Verbund zu landen hätte durchaus Vorteile. Je mehr Uhrwerke und Komponenten ein Hersteller in verschiedenen Uhren einsetzen kann, umso kostengünstiger ist die Produktion. Technische Neuerungen für Luxusuhren im Wert von Oberklasselimousinen können schrittweise in preisgünstigere Modelle von Schwestermarken eingepflanzt werden. Weil den kleinen Produzenten diese Vorteile fehlen, sind sie von einer Branchenflaute wie 2016, als die Schweizer Uhrenexporte um 10 Prozent fielen, tendenziell stärker betroffen als die großen Anbieter.

Breitling reagiert auf dieses Dilemma und probt nun den Schulterschluss mit Rolex. Dieser größte unabhängige Uhrenhersteller der Schweiz, dessen Umsatz auf rund 5 Milliarden Franken geschätzt wird, nutzt für seine Zweitmarke Tudor künftig Chronografen-Uhrwerke von Breitling. Umgekehrt setzt Breitling bei manchen Modellen ein Dreizeiger-Uhrwerk von Tudor ein. Obwohl diese Kooperation nicht mit einer Kapitalverflechtung einhergeht, dürfte sie die Übernahmegerüchte nochmals zusätzlich anheizen.

Wir bleiben am Ball!

 

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So hat beispielsweise die Rolex-Tochter Tudor gerade ein eigenes Chronographenwerk vorgestellt. Bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich jedoch als Abkömmling des Breitling-Werks «B01». Im Gegenzug darf nun Breitling das 2015 von Tudor vorgestellte Dreizeigerwerk «M5612» beziehen. Bei Breitling trägt es die Bezeichnung «B20».

 

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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