Samstag , 17. August 2019
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Schlechte Aussichten: Die Schweizer Uhrenindustrie gerät aus dem Takt

2019 wird die Nachfrage nach Schweizer Uhren leicht zurückgehen. Das hängt auch mit dem schwindenden Luxushunger der Chinesen zusammen.

Schweizer  Uhren haben sich im Jahr 2018 auf der ganzen Welt gut verkauft und auch 2019 dürften sich die Zeitmesser einer guten Nachfrage erfreuen. Allerdings rechnen Experten mit einer leichten Wachstumsabschwächung. Der Kaufhunger der chinesischen Konsumenten, das ist am Luxusgütermarkt die wichtigste Käuferschaft, könnte nämlich abnehmen.

«Insgesamt sollte sich die gute Entwicklung der Uhrenexporte im Jahr 2019 fortsetzen», sagte der Präsident des Schweizerischen Uhrenverbands (FH),  Jean-Daniel Pasche, im Gespräch mit Tick-Talk.ch. Eine konkrete Prognose zum Exportwachstum wagte er mit Blick auf die fragile Marktlage aber nicht. Die Weltkonjunktur, die Spannungen zwischen China und den USA sowie Schwankungen an den Devisenmärkten bergen laut Pasche Risiken.

René Weber, der bei der Bank Vontobel als Analyst seit Jahren die Uhrenbranche betreut, geht für das kommende Jahr von einer Wachstumsabschwächung der Schweizer Uhrenexporte aus. «Für 2019 erwarten wir einen Anstieg von rund 4 Prozent, während 2018 etwa mit einem Plus von 6 Prozent abschliessen dürfte», sagte Weber. In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres kletterten die Uhrenexporte um 7,5 Prozent auf 17,5 Milliarden Franken in die Höhe.

Kaufkraft der Chinesen geht zurück

Bereits der Start ins 2019 könnte sich für die Uhrenhersteller schwierig gestalten. Die Branche müsse sich nämlich in den ersten Monaten mit den hohen Exportenzahlen aus dem Vorjahr messen, sagte Weber. Er befürchtet zudem, dass eine Abwertung der chinesischen Währung die Kaufkraft der Chinesen schmälert. Im Gegenzug hofft er, dass eine Entspannung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit der Branche etwas Rückenwind verleiht. Der Schlagabtausch zwischen der Trump-Regierung und den chinesischen Behörden bleibt aber ein grosses Risiko.

Vieles hängt in der Uhrenbranche nämlich von der Kauflust der chinesische Konsumenten ab. Sie dürften ihre Stellung am weltweiten Luxusgütermarkt weiter ausbauen, erwartet Deloitte-Expertin Karine Szegedi. «Die Frage ist, wo diese Kunden ihre Einkäufe in Zukunft tätigen werden, am lokalen Markt oder auf Reisen.»

Weltweit werden heute rund ein Drittel der Luxusgüter an Chinesen verkauft und der Wirtschafsberater Bain schätzt, dass dieser Anteil bis 2025 auf 45 Prozent ansteigen wird. Die Richemont-Gruppe mit Marken wie Cartier, Piaget oder IWC macht Schätzungen zufolge bereits heute rund 40 Prozent des Umsatzes mit chinesischen Kunden und bei der Swatch Group (Swatch, Omega, Longines, Tissot etc.) ist es gar knapp die Hälfte.

Europa im Hintertreffen

Die Uhrenverkäufe in  Europa, die stark vom asiatischen Tourismus abhängen, dürften laut Vontobel-Analyst Weber im nächsten Jahr nur leicht ansteigen oder gar stagnieren. Die verhaltene Entwicklung zeigt sich bereits im laufenden Jahr: Von Januar bis Oktober 2018 gingen die Uhrenexporte nach Europa nämlich um 2,4 Prozent zurück, während sie nach Asien um über 14 Prozent zugelegt haben.

Nicht nur die Verkäufe in Europa dürften stagnieren, eine ähnliche Entwicklung könnte sich auch in der  Schweiz abspielen. Denn die Uhrenverkäufe hierzulande hätten sich zu Beginn 2018 besonders gut entwickelt, als der Franken gegenüber dem Euro an Wert verlor, erklärte Weber mit Verweis auf die hohe Vorjahresbasis. Derweil sollte der US-Markt, wo der lokale Kundenstamm grösser ist als etwa in Europa, weiter wachsen.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.