Montag , 21. August 2017
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Sechs Tage Baselworld – Vaucher, Meccaniche Veloci, Czapek & Cie. (6)

Die Vaucher Manufacture Fleurier ist in einer komfortablen Ausgangslage. Sie ist in der Sandoz Fondation, der Sandoz Familienstiftung eingebunden. Unter diesem Dach befindet sich auch die Marke Parmigiani Fleurier.

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Vaucher Privatlabel Seed VMF 5401

Das auf die Entwicklung und Serienreife spezialisierte Unternehmen stellte für so ziemlich alle hochwertigen und namhaften Markennamen Uhrwerke, oder Teile von Uhrwerken her. Nun geht das Unternehmen einen Schritt weiter, Jean-Daniel Dubois, General Direktor, dazu: „Kreativität lebt von der Vielfalt und der Unterschiedlichkeit. Vaucher Manufacture hat dies zum Prinzip erhoben. Seit drei Jahren macht sich die Manufaktur zur Aufgabe, die Träume derer zu verwirklichen, welche die Uhrmacherei als Ausdrucksmittel wählen. Vaucher Manufacture ist voll vertikalisiert. Zusammen mit den Schwestergesellschaften vereint sie alle Berufe rund um die Uhr. Mit ihrem umfassenden Savoir-faire ist die Gruppe in der Lage, Werkteile (Räder, Schrauben), Assortiments (Hemmpartien, Unruhspirals) und Habillagekomponenten (Gehäuse und Zifferblätter) selber zu fertigen. In den Ateliers in Fleurier, eine der Wiegen der Schweizer Uhrmacherei, werden die Werke nach bestem handwerklichem und industriellem Können konzipiert und gefertigt. Vaucher Private Label freut sich auf Ihre Anfrage nach hochwertigen Zeitmessern, 100% Swiss Made und gänzlich individualisierbar. Ab 25 Stück“.

Beschreibung des Uhrwerks: Werk Seed VMF 5401, 131/4 Linien, extra-flach, 2.6 mm, individualisierbar. Gehäuse und Zifferblätter nach Mass gefertigt von den Artisans Boîtiers sowie von Quadrance et Habillage, den Schwestergesellschaften der Vaucher Manufacture Fleurier.

Meccaniche Veloci Quattro Valvole W123K140378017Meccaniche Veloci: Alles begann 2006 in einer Garage in Plan-les-Ouates. Marco Colombo designte 2006 die erste Quattro Valvole (4-Ventile) und legte damit die Basis zur heutigen DNA und Kollektion.

Cesare Cerrito, der aus der Finanzbranche kommt, ist heutiger Inhaber von Meccaniche Veloci. Cerrito stammt aus ursprünglich aus Sardinien, er begann seine Karriere als Goldschmied und Juwelier, bevor er in dies Schweiz – nach Genf – zu Meccaniche Veloci ging, um dort den Management „Buy out“ zu managen.

Riccardo Monfardino, der heutige CEO, war 15 Jahre internationaler Verkaufsdirektor bei Franck Muller und kennt das Uhrenbusiness aus dem effeff. Er will sich auf die Expansion der Distribution konzentrieren, meinte er zu mir in Basel.

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Inhaber Cesare Cerrito und Geschäftsführer Riccardo Monfardion

Das Duo verbindet die Leidenschaft zu Autos und Motorrädern sowie zu den Uhren.

Die heutige Kollektion besteht aus fünf Modellreihen – Icon, Quattrovalvolve, Corsacorta, Old Collections und Bespoke Edition – die jedoch etwas gemeinsam haben: Italienisches Design und Schweizerische Qualität. Am besten werden die Uhren zur Zeit in Japan verkauft. Das Preislevel der Uhren bewegt sich ab 1500 CHF bis 10’000 CHF für die limitierte Serie.

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Der Firmensitz in Plan-les-Ouates

Die Meccaniche Veloci kann auf ein rasches Wachstum zurückblicken, nun gehe es um Konsolidierung, meint Cerrito zu mir. Es gehe darum Strukturen zu setzen, die Abläufe zu optimieren. Das Jahr 2016 stehe unter folgenden Anforderungen, die Distribution zu expandieren, die Management-Strukturen zu sichern und die neue Produktelinie CorsaCorta Evo, die an der Baselworld lanciert wurde, erfolgreich im Markt zu etablieren.

Mit der Baselworld wurde auch das erste hauseigene Manufakturwerkt Kaliber MV8801 vorgestellt. Dazu Cesare Cerrito: “Eine Marke, die ihre eigenen Uhrwerke entwirft und herstellt, wird automatisch in den erlesenen Klub der besten Uhrmacherfirmen aufgenommen. Damit werden wir nur acht Monate nach dem Umzugs unseres Betriebsbüros nach Genf selbst zu Herstellern.” Und er fügt hinzu: “Dies ist ein historischer Augenblick für die Marke, auf den wir besonders stolz sind und es ist ein weiterer bedeutender Schritt in der Strategie, die wir für die Entwicklung dieser einzigartigen Marke festgelegt haben”.

Czapek & Cie: Was haben heute ein Fussballspieler, ein Kenner der modernen Kunst und ein tschechischer Prinz gemeinsam? „Die Leidenschaft für den Schöngeist und das Abenteuer…“, so die Antwort von Xavier de Roquemaurel, Mitgründer der Uhrenmarke Czapek & Cie.

Dieses Abenteuer beginnt im Jahre 1832, als sich der tschechische Uhrmacher, Franciszek Czapek, in Genf niederlässt. Im Jahre 1839 schliesst er sich mit seinem Landsmann, Antoine Norbert de czapek-quai-des-bergues-n33-cover_0Patek, zusammen und gründet die Firma Patek, Czapek & Cie. Die Zusammenarbeit ist erfolgreich, allerdings trennen sich die beiden Inhaber nach 6 Jahren. Czapek findet in Juliusz Gruzewski einen neuen Partner und gründet im Jahre 1845 die Firma Czapek & Cie. Mit seinen Beziehungen öffnet sich für dieses Unternehmen die Tür zur noblen Gesellschaft und somit die des kaiserlichen Hofes von Napoleon III, der sie zum offiziellen Hoflieferanten erklärt – ein echter Erfolg! Nach seinem Tod gehört Czapek zu den 5 grössten Uhrmachern der Welt. Czapek hat allerdings keine Nachkommen und so verschwindet dieses Unternehmen und die Marke wird zur blossen Referenz der heutigen Uhren-Sammler.

Kurz vor seinem Tod schreibt Czapek – begierig, seine Leidenschaft und Kenntnisse bekannt zu geben – ein Buch mit dem einfachen Titel „Uhrenfabrik“ (Słów kilka o Zegarmistrzowstwie ku użytku zegarmistrzów i publiczności). Für ihn ging es darum, die Kenntnisse zu „überliefern und zu teilen“.

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Geschäftsführer Xavier de Roquemaurel und Inhaber Harry Guhl

In diesem Sinne entscheiden Harry Guhl, Xavier de Roquemaurel und ein anonymer Uhrmacher, die ins Vergessen geratene Marke neu zu lancieren. Sie sind von der Geschichte Czapeks begeistert, ebenso von der Geistreichigkeit dieser Uhren, die sie sein „ADN“ nennen. Czapek war in erster Linie ein Ästhet, er suchte vorallem die „Schönheit in dem Zeitmesser“. Das kommt zum Ausdruck mit der Verbindung der verschiedenen Elemente, welche einzeln als übermässig erscheinen würden, zusammengefügt allerdings von raffinierter Schönheit sind: grosse römische Ziffern, die Finesse der Zeiger, die Positionierung der zwei Zähler, die diskrete Unterschrift.

Diese Symbole werden übernommen und modernisiert. Sie arbeiten mit den besten Detail-Handwerkern zusammen im Sinne einer Teilnahme und dem Wunsch, jeweils eine echte Beziehung aufzubauen. Diese werden technologisch herausgefordert und ihre Ideen werden in Betracht gezogen, bevor sie vollständig in die Ausführung des Produktes integriert werden.

Es handelt sich um die Firmen: LAB für das Edelstahlgehäuse; Donzé Cadrans für die „Grand Feu“-emaillierten Zifferblätter; Waeber HMS für die stilistischen Nadel-Zeiger, Camille Fournet für die Armbänder, Neo Desis für das Design. Die Uhr wird von Jean-François Mojon/Direktor Chronade zusammengesetzt.

Einige dieser Handwerker werden persönlich Aktionär des Unternehmens. Der Wunsch der Teilnahme existiert auch für die Finanzierung. Dem Geist Czapeks stets treu bleibend und gleichzeitig dem heutigen Zeitgeist folgend, entscheiden sich Harry Guhl und Xavier de Roquemaurel für das moderne Crowdfunding-Equity.

Die Idee ist eine partizipative Finanzmethode. Jeder Aktionär wird zum Teilnehmer des Abenteuers und zugleich persönlicher Vertreter der Marke, sei er Fussballspieler, tschechischer Prinz oder Kunstmäze. Liebhaber von schönen und wertvollen Dingen, was immer ihr Alter oder Stil sein mag, nehmen an diesem Traum teil…

Czapek & Cie. ist das erste innovative Unternehmen, welches eine gleichzeitige Multiplattform an verschiedenen Gerichtsständen vertritt, d. h. ein Finanzmodell, welches gleichzeitig die legalen Verpflichtungen der Schweiz, Frankreichs und Grossbritanniens zu tragen hat.

Das Resultat nennt sich „Quai des Bergues“, als Erinnerung an den ehemaligen Sitz des Ateliers von Czapek in Genf, und um die Zugehörigkeit der Marke in der traditionellen Schweizer Uhrmacher-Geschichte zu definieren. Es handelt sich um die erste Kollektion von 6 Modellen, welche von der legendären Taschenuhr Nr. 3430 des Jahres 1850 inspiriert ist.

Es ist der Wunsch, „Teilnahme“ und „Exklusivität“ in Einklang zu bringen mit dem Ziel, in der Welt der Aussergewöhnlichkeit zu bleiben. Die ersten Modelle werden im Herbst 2016 in 20 Verkaufsstellen weltweit zum Kauf angeboten. Preis: ab 9900 sFr.

 

Wird fortgesetzt!

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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