Sonntag , 20. August 2017
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Shinola und Braloba spannen zusammen

Erstmals seit 40 Jahren werden in der USA wieder Uhren gefertigt. Ausgerechnet in der Pleite-Stadt Detroit: Das Junge Unternehmen Shinola will hier an die Industriegeschichte anknüpfen. Die Uhrenfirma erhält hierbei Unterstützung vom Basler Familienunternehmen Ronda. Ronda ist einer der weltweit grössten Hersteller von hochpräzisen elektronischen Uhrwerken mit innovativem Design. Seit neuestem hat ein weiteres Schweizer Familienunternehmen in zweiter Generation mit Shinola einen Joint venture gegründet: Braloba in Lengnau. Die Fertigung von Uhrenarmbänder und Kleinlederwaren ist die gelebte Kernkompetenz von Braloba. Mit der Shinola Leather Goods hat Shinola die Lederverarbeitung ausgegliedert und kommt so in den Besitze des know hows der qualitativ hochwertigen Lederverarbeitung.

Ausgedacht hat sich das geniale Marketingkonzept kein geringerer als Tom Kartsotis. Der US-Millionär ist besser bekannt als ehemaliger Besitzer der Uhrenfirma Fossil, die er 1984 gründete. Vor 14 Jahren zog er sich bei Fossil zurück und agierte nur noch im Hintergrund.

Erich Mosset von Ronda und Beat Schori von Braloba sind langjährige Wegbegleiter von Tom Kartsotis. Mit Shinola will es der 55-jährige jetzt noch einmal wissen. Öffentlich tritt der Unternehmer zwar weiterhin nicht in Erscheinung, das Startkapital für Shinola stammt aber weitestgehend aus seinem Privatvermögen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 45 000 Uhren hergestellt, die zwischen 350 und 700 Euro kosten. In diesem Jahr werden es 150 000 Uhren sein. Die Fertigungshalle in Detroit ist jedoch für über eine 1 000 000 Uhren pro Jahr ausgelegt, informierte mich Shinola Präsident Jacques Panis beim Rundgang.

Verkauft werden die Uhren bislang vor allem im Internet und in rund hundert Uhrengeschäften und Kaufhäusern in den USA. In Detroit und New York hat die Marke im vergangenen Jahr ausserdem die ersten beiden eigenen Geschäfte eröffnet, noch in diesem Jahr sind weitere Läden in den USA, aber auch in London in Berlin geplant.

Trotz der schnellen Expansion will Shinola schon in drei Jahren die Gewinnschwelle erreichen und 100 Millionen US Dollar (72 Millionen Euro) Umsatz erzielen.

Leider könne sich Shinola noch nicht „Made in America“ auf die Uhren stanzen, sondern nur „Built in Detroit“, also zusammengesetzt in Detroit. Denn viele Einzelteile stammen bislang vom Schweizer Zulieferer Ronda. „Wir haben noch nicht die kritische Grösse erreicht, um alles in Detroit herzustellen“, sagt der 37-jährige Texander Panis, der vorher für eine andere Firma von Kartsotis gearbeitet hat. In einigen Jahren aber, wenn der Uhrenabsatz höher ist, soll das Realität werden.

Dabei sind die Uhren nur der erste Schritt zu einer umfassenden Design-Firma., die Gründer Kartsotis plant. Schon jetzt hat Shinola sein Geschäftsfeld in edle Fahrräder, Lederwaren und Schuhpolitur ausgeweitet. Als nächstes sind Jeans, Schuhe und Möbel geplant. Damit das klappt, hat Kartsotis einen Profi engagiert, Daniel Caudill, der frühere Design Guru der Sportmarke Adidas, wechselte zu Shinola.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.