Donnerstag , 17. August 2017
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SIHH 2017: Experiment mit „open friday“

Der Salon Internationale de la Haute Horlogerie (SIHH) war bislang ausschliesslich den Einzelhändlern und Medienvertretern vorbehalten. Ab nächstes Jahr soll der exklusive Luxusuhrensalon in Genf neu auch für einen Tag – den Freitag – erstmals dem Publikum geöffnet werden. Zudem wird sich der Kreis der elitären Aussteller erweitern. Fabienne Lupo, Präsidentin der Haute Horlogerie-Stiftung, die den SIHH organisiert, verrät im Gespräch mit TICK-TALK.CH noch weitere neue Details.

Während 25 Jahren war der SIHH ausschliesslich für die Fachhändler und die Journalisten vorbehalten. Warum jetzt dieser Sinneswandel?

Fabienne Lupo: Die Idee der Öffnung des SIHH für das breite Publikum war schon seit längerer Zeit in unseren Schubladen. Im Gespräch mit den Marken Vertretern unserer Aussteller, stellten wir fest, dass sich das Erwartungsprofil unserer Austeller mit der Zeit verändert hatte. Bisher war es das Ziel der SIHH Aussteller Verkäufe mit Einzelhändlern abzuschliessen und Journalisten über Neuheiten zu informieren. Da der Kontakt mit der internationalen Presse im Vordergrund bleibt, haben wir erkannt, dass der Bedarf der Marken an Zeit-, Personal- und Kostenintensiven Verkaufs-Veranstaltungen mit Einzelhändlern immer mehr schwindet. Deshalb geben wir erstmals unseren Ausstellern die Möglichkeit auch direkt mit Endkunden ins Gespräch zu kommen, um so auch direkt Feedback der Konsumenten zu erhalten.

Liegt da nicht ein Direkt-Verkauf an den Endkunden während dem SIHH auf der Hand?

Dies könnte eine Option sein und wird aber vom Ausstellerkomitee geprüft. Ethik und Moral hin oder her!

sihh2016_fabienne_lupo_2-602x400 Warum öffnen Sie den SIHH nur einen Tag für’s Publikum?

Für uns wird der Freitag ein Test-Tag, mit dem wir Erfahrungen sammeln wollen. Das Ziel ist es, die Bedürfnisse der Öffentlichkeit zu eruiieren. Langfristig können wir uns sicher vorstellen, dass wir das Wochenende für die Öffentlichkeit reservieren.

Was wird die Tageskarte für den Besucher kosten?

Dies ist noch nicht endgültig entschieden. Aber es sollte etwa zwischen 70-80 Franken (Anmerkung der Redaktion: Die Tageskarte kostet 60 Franken an der Baselworld) liegen. Mittels einer Vorregistrierung wollen wir die Besucherzahl limitieren. Heute verzeichnen wir rund 7.000 Besucher pro Tag. Wir können jedoch aus Kapazitätsgründen bis zu 15.000 Besucher verkraften.

Dies wird sicher auch an die Grenzen der Aussteller gehen …….

Ja, es wird die Situation ändern. Einige Marken werden die Verkaufsflächen zwangsweise reduzieren und die Gesamtfläche erhöhen. Die Stände werden dann jene der bekannten internationalen Flagshipstores der Marken – wie wir sie alle kennen – ähneln.

Gemäss dem umstrittenen Blog „Businessmontres.com“ wird es auch weitere neue Aussteller am SIHH 2017 geben …

In der Tat Girard-Perregaux wird zum SIHH zurückkehren, an dem er lange als Aussteller teilgenommen hatte. Wie Sie wissen ist die die Marke aus Chaux-de-Fonds Gründungsmitglied der FHH gemeinsam mit Richemont und Audemars Piguet. Nach der Übernahme durch die Kering Group, hatte Girard-Perregaux Genf nach Basel verlassen. Aber die Marke fühlt sich näher am Format des SIHH und hat beschlossen, nach Genf zurückzukehren.

552554356_1280x720Ging die Initiative von Ihrer Seite aus?

Nein, das ist die Entscheidung von Kering. Obwohl wir diese Entscheidung sehr begrüssten, dass Girard-Perregaux wieder zu uns zurückkehrt. Kering ist an an uns herangetreten und fragte uns, ob wir ihnen genügend Raum für beide Marken anbieten können (Anmerkung der Redaktion: Kering kaufte auch nach dem Tod des Gründers Rolf Schnyder Ulysse Nardin im Jahr 2014). Wir reichten den Vorschlag an das Austeller Komitee, das Vertreter aller Marken umfasst, und der Vorschlag wurde validiert.

Wir haben gehört, dass Sie die Präsenz von Audemars Piguet und Richard Mille reduzieren wollen …

Falsch. Die Lounge wird sich auf 40.000 bis 45.000 Quadratmeter ausdehnen. Keine Marke hat geplant, seinen Raum zu reduzieren.

Der letztjährig lancierte „Carré des Horlogers“, der die unabhängigen Marken umfasst, wird Zuwachs mit den bekannten Marken wie RJ-Romain Jerome, Grönefeld, MCT, Ressenc und Speake-Marin erhalten.

Wie wurden diese Marken von Ihnen selektioniert?

Neu ist, der FHH ist jetzt in der Finalisierung eines „White Paper“, das die Grundprinzipien der feinen Uhrmacherei klar definieren wird. Vierzig Experten aus dem Kulturrat werden die festgelegten Kriterien der verschiedenen Akteure in der Haute Horlogerie bewerten und festlegen. Insgesamt hatten sich zwölf Marken beworben, wir wählten fünf aus diesen Bewerbern.

Welches sind denn konkret die Kriterien, die ein Aussteller erfüllen muss? Dürfen Marken, die ihre Uhrwerke nicht selbst herstellen auch beitreten oder dürfen nur Manufakturen beitreten?

Es gibt auch viele andere Kriterien, wie eigene Uhrwerke und Maufakturen. Wir werden diese im Detail im Juni mit der Veröffentlichung unseres Buches vorstellen.

XVM43855c62-bd24-11e5-a6d9-98283fca9f0dIn Basel kostet der Quadratmeter Ausstellungsfläche 1000 Franken. Der SIHH verlangt 2500 Franken für den Quadratmeter. Wie rechtfertigen Sie diesen Unterschied?

In Genf erhalten die Aussteller komplett eingerichtete Stände. Darüber hinaus alle Dienstleistungen rund um Gastfreundschaft, Gastronomie oder Sicherheit von der Stiftung unterstützt. Darüber hinaus decken wir die Kosten für die Einladungen von 1200 Journalisten weltweit (Anmerkung der Redaktion: werden von den Ausstellern bezahlt) und wir garantieren den Medien auch um Nischenmarken anzutreffen. Zusammengefasst bieten wir Dienstleistungen, die einfach nicht vergleichbar sind mit Basel.

Jedes zweite Jahr findet die Schwesterausstellung des SIHH, die Watches & Wonders in Hong Kong statt. Sie soll neu unter dem Namen SIHH Watches & Wonders zukünftig stattfinden. Gemäss unseren Informationen planen Sie eine weitere Austellung in Miami, was stimmt daran?

Richtig, wir denken an ein weiteres Format für die Öffentlichkeit das wir im amerikanischen Kontinent vielleicht schon 2018 lancieren wollen. Der SIHH in Genf wird jedoch weiterhin die Referenzveranstaltung bleiben.

Das Wachstum des SIHH kennt anscheinend keine Grenzen. Wird der Zeitpunkt kommen, an dem Sie „Stopp“ sagen werden?

Ich glaube, dass wir eine kritische Größe erreicht haben. Wenn wir die Exklusivität und Selektivität weiterhin halten wollen, die praktisch den Erfolg der Show gemacht haben, denke ich, dass wir diese Dimension behalten sollte.

Was würden Sie sagen, wenn große unabhängige Marke wie Chopard und Patek Philippe Sie ansprechen würden?

Nehmen wir an, es würde eine echte Anfrage dem SIHH vorliegen. Dann würde ich mich fragen, wollen wir bei der Grösse bleiben oder wollen wir unsere Vielfalt behalten? Persönlich würde ich mich für die konservativste Option entscheiden. Die endgültige Entscheidung wird in jedem Fall das aktuelle Aussteller-Komitee treffen.

Was sind die nächsten Schritte der Entwicklung des SIHH?

Immer mehr Marken entwickeln eigene online Shopping-Netzwerke. Sie kommen damit immer näher an die aktuellen Bedürfnisse der Endkunden heran. Der SIHH muss diese Entwicklung begleiten. Vielleicht wird in ein paar Jahren der SIHH nicht nur ein bekanntes internationales Uhren-Schaufenster sein, die Kunden werden dann auch die Uhren online kaufen können? Die Zukunft wird es zeigen …..

Die 27. Ausgabe des SIHH findet vom 16. bis 20 Januar 2017 statt.

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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