Freitag , 23. Juni 2017
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Apple Watch wird zum Ladenhüter

Smartwatch-Verkäufe im freien Fall: Apple Watch verzeichnet Einbruch um 72 Prozent

 Es sollte das nächste große Trendprodukt der Techbranche werden: die Smartwatch. Doch das Versprechen wurde nie eingelöst. Ein Jahr nach dem Hype folgt 2016 der große Katzenjammer: Die schnelllebige Käuferschaft wendet sich von der Smartwatch schon wieder ab, wie Marktforscher IDC vorrechnet – die Absätze der Branche haben sich im dritten Quartal mehr als halbiert. Noch dramatischer hat es den Branchenprimus erwischt: Die Apple-Absätze kollabierten laut IDC um sage und schreibe 72 Prozent.

Es begann mit einem Versprechen, das buchstäblich lebensverändernd klang: „Ich glaube, Sie werden nicht mehr ohne sie leben können“, hatte sich Apple-CEO Tim Cook unmittelbar vor dem Launch der Apple Watch Anfang 2015 noch extrem weit aus dem Fenster gelehnt, „die Leute werden überrascht sein, was man mit der Apple Watch alles anstellen kann.“

Cooks Wunschvorstellung: Die Apple Watch sollte durch Hinweise und die Anzeige von persönlichen Daten helfen, ein neues Gesundheitsbewusstsein zu entwickeln.  Zahlreiche Anwendungen, die für den Gesundheitsbereich gedacht waren, wurden jedoch in letzter Minute vor der Veröffentlichung gestrichen – darunter ein Blutdruckmesser, ein Herzaktivitätsmesser und ein Sensor,  der Stresseinflüsse anzeigt.

Apple Watch-Verkäufe im freien Fall

Fakt ist jedoch: Nichts davon ist in der ersten oder zweiten Generation der Apple Watch zu finden – Apples Smartwatch kann fast nichts, was ein 20 Euro teurer Fitnesstracker aus China nicht auch leisten könnte. Keine neue Apple-Produktkategorie ist in den vergangenen 15 Jahren so weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben wie die mit größtmöglichem gelaunte Medienbuhei gelaunchte Apple-Uhr.

Entsprechend entwickelten sich die Apple Watch-Absätze nach wenigen Quartalen, in denen die treusten der treuen Apple-Fans ihre Neugierigkeitskäufe getätigt hatten, wieder rückläufig – und befinden sich inzwischen komplett im freien Fall.

Wie der Marktforscher IDC  für das dritte Quartal berechnet hat, konnte der Techpionier im dritten Quartal gerade noch 1,1 Millionen Einheiten seiner Smartwatch absetzen – das entspricht einem erdrutschartigen Einbruch von 72 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Apple selbst weist die Verkäufe in seiner Quartalsbilanz nicht aus, sondern versteckt seine Smartwatch in der Kategorie „Andere Produkte“.

Gesamte Smartwatch-Branche leidet

Der freie Fall der Apple-Uhr ist indes kein Einzelfall – das schnell erlahmende Interesse an der Apple Watch scheint die gesamte Smartwatch-Branche mit nach unten zu ziehen. Wie IDC berichtet, wurden zwischen Juli und September ganze 2,7 Millionen Einheiten verkauft – ein Minus von 51 Prozent.

Noch dramatischer als bei Apple brachen die Absätze bei Lenovo weg (–73 Prozent), während Smartwatches von Pebble sich um 54 Prozent schlechter verkauften. Gegen den Trend zulegen konnte Samsung mit einem Plus von 9 Prozent auf 400.000 verkaufte Geräte, während sich Garmin nach einer Absatzexplosion von 324 Prozent als neuer Shootingstar der Smartwatch-Branche fühlen darf, mit 600.000 abgesetzten Exemplaren aber trotzdem nur rund die Hälfte der Einheiten verkauft wie Apple.

Im Weihnachtsgeschäft dürfte der Kultkonzern aus Cupertino dank seiner neuen Serie 2 wieder deutlich besser abschneiden – bleibt nur die Frage, ob die neuen Modelle das Vorjahresergebnis übertreffen und damit den Abwärtstrend stoppen können.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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