Samstag , 17. August 2019
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Swatch Group: verhaltenes Wachstum

Der Uhrenkonzern Swatch hat seinen Gewinn im Geschäftsjahr 2018 deutlich gesteigert, die Analystenerwartungen aber verfehlt. Vor allem im wichtigen vierten Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft schwächte sich die Dynamik spürbar ab.

Im vergangenen Jahr nahm der Nettoumsatz um 6,1 Prozent auf 8,48 Milliarden Franken zu, wie Swatch am Donnerstag bei der Vorlage von Kennzahlen mitteilte. Damit konnten die Bieler das hohe Wachstumstempo aus dem ersten Halbjahr, als die Verkäufe währungsbereinigt noch um knapp 13 Prozent zugelegt hatten, nicht bis zum Jahresschluss halten.

Die Bremsspuren waren klar stärker als Analysten erwartet hatte. ZKB-Analyst Patrik Schwendimann spricht etwa von einem „Weihnachtsquartal zum Vergessen“ und stuft die Papiere prompt auf „Untergewichten“ zurück. Und die Börse straft den Uhrenhersteller mit einem Minus von 6 Prozent im frühen Handel ab.

Die Mehrverkäufe bei Swatch schlugen zwar auch auf die Ergebnisseite durch, aber weniger als erhofft. Der Betriebsgewinn (EBIT) erhöhte sich um 15 Prozent auf 1,15 Milliarden Franken. Und so ging die Marge um 1,1 Prozentpunkte auf 13,6 Prozent nach oben. Im Halbjahr hatte jedoch noch eine Marge von 14,7 Prozent resultiert.

Unter dem Strich verblieb ein Reingewinn in Höhe von 867 Millionen Franken nach 755 Millionen im Vorjahr. Den Aktionären will Swatch erneut mehr Geld ausschütten: Je Inhaberaktie soll eine Dividende von 8,00 Franken (+50 Rappen) und je Namenaktie 1,60 Franken (+10 Rappen) bezahlt werden.

Luxusmarken und Asien wachsen

Die Prestige- und Luxusmarken wie Blancpain, Omega oder Longines legten laut Swatch das stärkste Wachstum hin. Wegen Kapazitätsengpässen in der Produktion sei es bei den teuren Zeitmessern gar zu Lieferrückständen gekommen. Swatch geht davon aus, dass ein Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe verloren gegangenen ist.

Stark zugelegt hat Swatch auch in Asien, sowohl im Geschäft mit Händlern als auch mit den markeneigenen Shops. Im Schlussquartal habe sich aber die Nachfrage vor allem im Grosshandel deutlich abgeschwächt. Von einer positiven Entwicklung berichtet Swatch in Nordamerika, Europa habe ein „gemischtes Bild“ gezeigt. In Frankreich etwa hätten die Gelbwesten-Unruhen das Geschäft belastet.

Guter Start ins 2019

Der Start ins neue Jahr sei geglückt, hielt Swatch fest. Im Januar sei die Gruppe verglichen mit dem sehr guten Vorjahresmonat gewachsen. Swatch rechnet 2019 mit einem positiven Verlauf, dies sowohl betreffend der Nachfrage als auch bei der Beseitigung der Kapazitätsengpässe in der Produktion.

Als Chance sieht Konzernchef Nick Hayek das Geschäft in China, auch wenn die Handelsturbulenzen zwischen China und den USA „störend bleiben“. In China hat die Gruppe eine starke Position und in Japan möchte sie weitere Marktanteile dazugewinnen.

Anmerkung der Redaktion:

Vergleicht man die heute früh publizierten Zahlen der Swatch Group – der Umsatz stieg um 6,1 Prozent auf 8,5 Milliarden Franken, der Reingewinn um 14,8 Prozent auf 870 Millionen – mit den Ergebnissen anderer Luxusgüterfirmen, dann glänzt Swatch nicht. LVMH ist stärker gewachsen und ist deutlich profitabler, Kering ebenfalls. Auch die letzten (Halbjahres-) Zahlen von Richemont sind besser. Aber: Wenn Investoren deswegen nur ihre Swatch-Aktien verkaufen, zeugt das doch von erheblicher Kurzsichtigkeit. Aus zwei Gründen: Erstens ist es nicht dasselbe, einer Chinesin ein Gucci-Täschli für plus minus 900 Dollar oder eine Omega Ladymatic für gut 30’000 Dollar zu verkaufen. Und zweitens zeigen die Zahlen von Swatch bei genauerem Hinsehen vor allem, wie stark die Firma von Nayla und Nick Hayek aufgestellt ist. Sie hat 1700 neue Arbeitsplätze geschaffen, vor allem in der Schweiz. Sie hat über 200 neue Patente angemeldet. Und vor allem sind ihre Milliarden-Marken Omega und Longines so begeehrt, dass es aufgrund von Produktionsengpässen zu Lieferverzögerungen gekommen ist.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.