Sonntag , 20. August 2017
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TAG Heuer: Biver’s umstrittener Höhenflug

Biver will mit TAG Heuer hoch hinaus und engagiert Chinesischen Superstar.  Die Schweizer Uhrenmarke liess Superstar G.E.M. auf 3466 Meter über Meer auftreten.

Die 24-jährige Chinesin Gloria Tang Tsz-kei aus Hong Kong, besser bekannt unter ihrem Popstar-Pseudonym G.E.M., ist in ihrer Heimat – und weit darüber hinaus – ein Superstar. Seit ihrem Debüt-Album «G.E.M.» (für «Get Everybody Moving») aus dem Jahr 2008 schaffte es fast jede ihrer Singles auf Platz 1 der Charts. Ihre drei Studio-Alben ebenfalls.

Am 31. August mittags trat G.E.M. auf dem Jungfraujoch auf. Normalerweise füllt sie Stadien – vor dem Schweizer Alpenpanorama war es 200 Fans vergönnt, die Sängerin hautnah zu erleben. Organisiert wurde die Show von der Schweizer Uhrenmarke Tag Heuer. G.E.M. ist ihre «chinesische Botschafterin», wie die Firma aus La Chaux-de-Fonds, die im Besitz der französischen Luxus-Konglomerats LVMH ist, mitteilt.

«Ein Event zu Ehren unserer chinesischen Freunde»

G.E.M. gab ihre aktuellen Hits «Someday I’ll Fly», «Intoxicated» und «Heartbeat» zum Besten. Zumindest optisch geriet der Anlass der jungen Sängerin zum Clash of Cultures: Asia-Pop-Ikone trifft auf Alpenfirn, Schneebühne, Berner Sennenhunde und Alphornbläser. G.E.M., vermeldet die Uhrenfirma, «hatte gar die Gelegenheit, von Herrn Bivers eigenem Käse zu probieren» – Jean-Claude Biver ist der CEO von Tag Heuer.

Der Chef gab ein Statement zur schweizerisch-chinesischen Freundschaft ab, die seine Firma auf 3466 Metern über Meer zur Schau stellte: «Es ist uns gelungen, ein ausgefallenes Event auf die Bühne zu bringen … unsere chinesischen Freunde werden es lange Zeit in Erinnerung behalten – es ist ein Event zu Ehren unserer chinesischen Freunde, und es zeigt die Freundschaft zwischen unseren zwei Ländern.»

Kommerz und Kritik

Um sich ein Bild davon zu machen, wie beliebt G.E.M. im Land der Mitte ist, sei die Kampagne für die «Dove»-Schokolade der US-Firma Mars Inc. erwähnt: Nachdem die Sängerin am 13. Mai 2014 in einen dreiminütigen Schoggi-Spot zusammen mit dem südkoreanischen Schauspieler Kim Soo-hyun zu sehen war, verkaufte sich der Riegel über 10 Millionen Mal – nach nur drei Tagen. Verständlich, dass der Schweizer Uhrenhersteller hofft, die «chinesischen Freunde» mögen das Spektakel nicht so schnell vergessen.

Doch das Beschwören der Freundschaft zwischen den zwei Ländern an dem Ort, der jährlich von 700’000 Touristen aus aller Welt besucht wird, stösst auch auf Kritik. Oliver Classen, Sprecher der Erklärung von Bern: «Wenn nach den jüngsten Umweltkatastrophen und Menschenrechtsverletzungen einer der Schweizer Symbolberge für diesen Marketing-Gag freigegeben wird, wirft das ein schräges Licht auf eine Schweizer Standortpolitik, der Export- und Tourismusförderung offenkundig wichtiger sind als die Wahrung elementarer Menschenrechte.»

 

Nachtrag zur TAG Heuer Smartwatch:

Der umtriebige Chef der Uhrendivision lanciert die Smartwatch der Schweizer Marke TAG Heuer rascher als geplant: am 9. November 2015 um 11 Uhr wird er seine Version der intelligenten Uhr in New York präsentieren, im Beisein von Intel-Konzernchef Brian M. Krzanich, Partner des Projekts. Google als dritter Partner wird die Betriebssoftware Android beisteuern. Die Batterie der TAG Heuer soll über 40 Stunden halten, preislich wird die Uhr über der Apple Watch liegen (wir hatten bereits schon an anderer Stelle darüber berichtet).

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.