Sonntag , 19. November 2017
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Teure Markenbotschafter und Absatzkrise: Der Uhren-Umbruch

uhr-dubois-steinemannEin kleiner Uhrenhersteller krempelt die Welt um: Besser selten als die 007-Uhr

George Clooney schlürft Kapsel-Kaffee, Robbie Williams fährt plötzlich Mittelklassefahrzeuge. Auch die Uhrenbranche bleibt von dem Promi-Wahn in der Werbung nicht verschont. Ein großer Schweizer Hersteller bewirbt seine „Agentenuhr“, passend zu dem im November startenden Kinofilm. Der Hauptdarsteller selber trägt jedoch im Privatleben auffallend oft Uhren einer anderen Marke.. „Bezahlte Markenbotschafter sind sehr teurer Betrug am Kunden“, sagt Thomas Steinemann, CEO von DuBois et fils. Die Schweizer Uhrenmarke geht einen anderen Weg und macht die eigenen Uhrenträger zu Markenbotschaftern eines seltenen Luxusgutes: Nur maximal 99 Stück werden von jedem Modell gebaut. „Mit diesem Konzept wachsen wir in Asien, Europa und Amerika, die Bekanntheit steigt über unsere Kunden und die Aktionäre, die wir während eines Crowdfundings als Anteilseigner unserer Fabrik haben gewinnen können“, sagt Steinemann. Dabei steckt die Luxusuhrenbranche aktuell in einer wilden Talfahrt, der Markt ist aufgrund der weltwirtschaftlichen Lage und der enormen Preissteigerungen der Hersteller stark geschrumpft.

Seltenheit statt Promibonus

Im Vergleich zu anderen Herstellern hat DuBois et fils über die strenge Limitierung eine außergewöhnliche Exklusivität geschaffen. Für Steinemann und auch seine Kunden liegt darin der Mehrwert, zumal sich die Markenphilosophie so auch auf den Käufer erstreckt. Seltenheit sorgt für besondere Wertigkeit. „Das Konzept von DuBois et fils sieht nicht vor, ein immenses Marketingbudget zu verwenden. Entweder ist das Produkt gut und findet eine selbstständige Verbreitung – oder es ist eben nicht gut“, lautet das Resümee des Uhrenbauers aus der Schweiz. Dass er damit die klassische Welt des Luxusmarketings auf den Kopf stellt, das ist für Thomas Steinemann ein positiver Nebeneffekt: „Wir sind die älteste Uhrenfabrik der Schweiz, die ohne Unterbrechungen seit 1785 Uhren herstellt. Das war für mich der wichtigste Grund, etwas anders als andere Marken zu machen.“

Unabhängigkeit ist Trumpf

Mit dem eigenen Selbstbewusstsein geht auch eine starke Unabhängigkeit einher, die Steinemann der gesamten Branche wünscht: „Konzessionäre und Juweliere stehen unter wachsendem Druck, den die großen Marken ausüben. So ist man in Sachen Verkauf und Auslage schnell nur noch eingeschränkt Herr im eigenen Haus. Der Konsumentenwunsch tendiert eher zu sehr exklusiven Uhren – und das im Sinne von selten, nicht nur einfach teuer.“ Der Retail-Markt beginnt daher, Marken wie DuBois et fils – unabhängig und exklusiv – mit wachsendem Interesse zu betrachten. Derweil stehen mehr und mehr Uhrenfirmen zum Verkauf, wie ein Insider berichtet: „In der Schweiz stehen Brands wie Maurice Lacroix oder Glycine auf dem Markt, auch in Glashütte gibt es erste Gerüchte. Die Absatzkrise hat viele Unternehmen schwer getroffen – mit Folgen wie Kurzarbeit und enormem Personalabbau“, sagt Thomas Gronenthal, Fachjournalist und Jurymitglied des Watchstars-Award.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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