Donnerstag , 17. August 2017
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Türkei setzt ihren Touristen-Boom aufs Spiel, Uhrenumsätze brechen ein

Der Erdowahn nimmt kein Ende

Der Tourismus, einst blühende Branche und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Türkei,  steckt in der Krise. Experten befürchten ein Ende des Wirtschaftswunders. Auch der Uhrenabsatz in der Türkei lässt zu wünschen übrig, seit die reichen Russen nicht mehr ins Land kommen dürfen.

Nach blutigen Anschlägen sind die Touristenzahlen in der Türkei im vergangenen Monat abermals deutlich gesunken. Im Juni reisten rund 2,4 Millionen Ausländer ein und damit knapp 41 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie das türkische Tourismusministerium am Donnerstag mitteilte. Deutsche machten demnach mit etwa 14 Prozent den größten Anteil der Besucher aus, ihre Zahl sank im Vergleich zum Juni 2015 aber um knapp 38 Prozent.

Schon vor dem gescheiterten Putsch vor rund zwei Wochen hatten Anschläge auf Urlauber und Terrorwarnungen nach jahrelangem Wachstum zu einem Einbruch im türkischen Tourismussektor geführt. Der Juni war bereits der elfte Monat in Folge mit gesunkenen Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr, wie aus Statistiken des Ministeriums hervorgeht. Im Mai hatte der Rückgang knapp 35 Prozent betragen.

Sogar um 93 Prozent ging die Zahl der russischen Besucher zurück, die neben den Deutschen das wichtigste Standbein für die türkische Tourismuswirtschaft waren. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im Grenzgebiet Syrien im vergangenen November waren russische Charterflüge in die Türkei bis vor wenigen Wochen gestrichen worden.

Türkische Hotelketten wie zum Beispiel Gloria Hotels & Resorts füllen zur Auslastung der Betten ihre Hotels mit einheimischen Türken, mit Billig-Paxen, die ein Drittel und weniger für einen Aufenthalt im Hotel bezahlen, als die „normalen“ Stammgäste.

Auch der Uhrenumsatz ist in der Türkei stark eingebrochen. Die meisten Uhrenfachhändler und auch die Ketten haben seit vier Jahren keine neuen Kollektionen mehr eingekauft. Maurice Lacroix mutiert so zum Beispiel zum Ladenhüten. Auch Ulysse Nardin und Bovet, die in der Türkei über den gleichen Distributor – Şark Saatçilik A.Ş. -verkauft werden, klagen über mangelnden Absatz. „Es läuft nichts mehr“, so ein Brancheninsider.

Glück hatte Cartier in der Türkei, die sehr engagiert den Markt bearbeiten. So konnten die meisten Fachhändler ihre teuren Uhren mit Diamanten und auch die Komplikationen gegen preiswerte Kollektionen in Stahl umtauschen. „Cartier hat unsere teure Kollektion im Wert von 10 Millionen Euro ohne aufwendige Administration anstandslos in eine günstigere Kollektion umgetauscht“ so ein mir bekannter Brancheninsider von der Olympus Gruppe in der Türkei. „Cartier Stahluhren finden reissenden Absatz, Gott sei Dank arbeiten wir seit über 20  Jahren erfolgreich mit Cartier zusammen“!

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Drive de Cartier in Edelstahl läuft in der Türkei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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