Montag , 14. Oktober 2019
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Fawaz Gruosi verlässt nach einer "Umstrukturierung" nach 26 Jahren sein eigenes Unternehmen

Der laute „Juwelenkönig“- Fawaz Gruosi tritt leise ab

Ruft De-Grisogono-Gründer Fawaz Gruosi, tanzen die Puppen. Kristallkönigin Fiona Swarowski, Missoni-Erbin Margherita Missoni, Victorias-Secret-Model Bianca Balti, Milliardärin Goga Ashkenazi und Ivana Trump, Ex-Frau des Immobilien-Tycoons Donald Trump. Legendär sind seine Geburtstagsfeten die jedes Jahr im August im Club «Billionaire» seines Buddies Flavio Briatore auf Sardinien stattfinden.

Der über 70-jährige Playboy geniesst die Feste, wo er im Mittelpunkt steht. Zumal er mit seinem Uhren- und Schmuckhaus wenig zu feiern hat. Die Geschäfte laufen mässig, die Umsätze sind rückläufig, die Margen im Branchenvergleich tief, die Bankschulden drückend. Und das nicht erst seit gestern. 2001 eilte De-Grisogono-Konkurrentin Chopard – die dortige Chefin war Gruosis Ehefrau – mit einer Kapitalspritze zu Hilfe. 2008 war die nächste Frischgeldzufuhr notwendig. Dafür musste der Patron einen Teil der De-Grisogono-Aktien abgeben.

2012 hat Gruosi die Kontrolle über seine 1993 in Genf gegründete Firma ganz verloren. Er ist zwar noch Direktor und Kreativchef, hält aber nur noch 15 Prozent an seinem Lebenswerk, das 2015 etwa 90 Millionen Jahresumsatz erzielt haben soll. Eine Mehrheit von 75 Prozent besitzt laut Brancheninsidern eine Gruppe von europäischen und afrikanischen Investoren. Bei den Afrikanern handle es sich vor allem um Angolaner, präzisiert Gruosi. Wer aber die Angolaner sind, wollte er damals partout nicht sagen. Verständlich: Die neuen Investoren haben einen zweifelhaften Ruf, wohl kaum eine Schweizer Bank würde ihr Geld annehmen.

Das Sagen bei De Grisogono hat neu Isabel dos Santos. Sie gilt als reichste Frau Afrikas. Die älteste Tochter des damaligen Alleinherrschers von Angola, José Eduardo dos Santos, der seit über 30 Jahren an der Macht war, soll rund 100 Millionen Franken für die 75 Prozent der Marke bezahlt haben.

Was das Geschäftliche angeht, war die Beteiligung von Isabel dos Santos, Angolas grösster privater Investorin, und ihrem Ehemann Sindika Dokolo, einem kongolesischen Geschäftsmann und Kunstsammler, an de Grisogono wohl ein guter move.

Die Geschäftsfrau dos Santos sitzt nicht selbst im Verwaltungsrat. Das übernimmt ihr portugiesischer Standard-Strohmann Mario Moreira Leite Da Silva. Er war neu Präsident von De Grisogono und wird fast überall installiert, wo die Präsidententochter investiert. Damit ist Moreira gut ausgelastet. Denn dos Santos hat ihr auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätztes Vermögen breit diversifiziert. Ob Rohstoffe, Telekommunikation, Diamanten, Baustoffe, Immobilien, Finanzindustrie oder Detailhandel – die Präsidententochter ist überall dabei.

Doch die Zeiten haben sich geändert, durch die Neuwahlen in Angola haben sich auch die Machtverhältnisse verschoben.

Isabelle dos Santos hat nicht mehr den Zugriff auf den Angolanischen Staatsfonds, von dort kamen die Gelder, die De Grisogono in der Vergangenheit am Leben gehalten haben. Isabelle dos Santos war zukünftig nicht mehr bereit, ihr Privatgeld nach Genf zu transferieren.

Wer heute Eigentümer von De Grisogono ist bliebt im Dunklen, ob Isabelle dos Santos ihre 75 Prozent der De Grisogono Aktien zu Bargeld gemacht hat, wurde auch nicht kommuniziert. Die Eigentumsverhältnisse sind also unklar.

Der Verwaltungsrat von De Grisogono hat Tick-Talk.ch bestätigt, dass sich Fawaz Gruosi, der Gründer von De Grisogono, aus dem operativen Geschäft, dem Tagesgeschäft, per 31. Dezember 2018 zurückgezogen hat. Fawaz Gruosi, Italiener mit Libanesischen Wurzeln, wird mit seinen Erfahrungen dem Senior Executive Committee beratend erhalten bleiben, so stehts im Genfer Handelsregister des Unternehmens.

Dr. Elmar Wiederin, Verwaltungsratspräsident, meinte zu tick-talk.ch, „dass DeGrisogono eine unglaubliche Transformation vom Nischen High Jewellery Anbieter zum HEUTE weltweiten anerkannten High Jewellery Player angetreten hat. Im Einklang mit der Vision und dem Plan des Verwaltungsrates schlägt De Grisogono das nächste nächste Kapitel der Unternehmensgeschichte auf“.

Celine Assimon, neuer CEO bei DeGrisogono

Mit Céline Assimon als neuen CEO (Ex Executive Director von Piaget, wo sie für den High Jewellery Bereich verantwortlich zeichnete) und einem kongenialen Team wird die Fortsetzung der Tansformation sichergestellt. „Wir sind auf den besten Wege und haben uns selbst fünf Jahre zur Erreichung unserer Zielsetzung – der weltweit führende Anbieter von High Jewellery und Watches – zu werden gegeben“, so Dr. Elmar Wiederin.

Die Französin Céline Assimon hat ihre Karriere 2001 bei Richemont begonnen. 2011 wechselte sie zu Louis Vuitton nach New York. Seit 2015 war sie dort für die weltweite Entwicklung des Schmuck- und Uhrensegments zuständig, bevor sie zu Piaget wechselte. Bei de Grisogono will sie neue Märkte erschließen und mit einem besonderen Augenmerk auf Fine Jewellery neue Zielgruppen erschließen.

Der zurückgetretene Fawaz Gruosi war bei Traditionshäusern wie Harry Winston und Bulgari tätig, bevor er sich vor 25 Jahren mit seiner eigenen Marke selbstständig machte. Seine auffällig verspielten Entwürfe sorgten für Aufsehen in einer Zeit, in der eher klassische Design gefragt waren. Er war es auch der schwarze Diamanten salonfähig machte und als einer der Ersten Stachelrochenleder zu Uhrarmbändern verarbeitete.

Ich bin seit über 40 Jahren mit der Luxus-Uhren und Schmuck-Branche „verheiratet“ und kenne Fawaz seit über 30 Jahren. Fawaz ist für mich ein Genie, seine grossen Steine, seine Barock ausfallenden Schmuckstücke sind unique, sind einfach einmalig. Der Abgang von Fawaz wird aus meiner Sicht ein grosser Verlust für De Grisogono sein, denn Fawaz lebte und lebt glaubwürdig die Marke. Auch die Bestrebungen des neuen Managements „DeGrisogono vom Nischen High Jewellery Anbieter zum Global Player für Schmuck und Uhren zu führen“ sind mit Vorsicht zu geniessen. Andererseits, auch Genies haben ein Ablaufdatum, so ist das Leben.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.