Montag , 20. November 2017
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Vier Zeitgenossen für eine Uhr

Das St. Galler Modelabel Einstoffen wagt den Einstieg ins Uhrengeschäft. Es präsentiert die erste Schweizer Automatik-Holzuhr überhaupt.

Das kleine St. Galler Modelabel „Einstoffen“ überzeugte bisher mit der Geschäftsidee, Brillen aus Naturmaterialien wie Holz oder Stein herzustellen. Die Kreation fand Anklang, die Brillen sind soeben mit drei German Design Awards 2018 ausgezeichnet worden. Nun wollen die vier Ostschweizer Freunde an der Spitze der Firma ihr Sortiment erweitern, wie sie in ihrem Video erklären. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung haben sie sich dazu entschieden, eigene Uhren auf den Markt zu bringen. Da es für das kleine Unternehmen nicht möglich ist, die Finanzierung des Projekts aus eigener Kraft zu stemmen, hoffen die vier Macher – Ramon Büsser, Christian Gisler, Raphael Büsser und Philippe Rieder – auf Unterstützung auf der Crowdfunding-Website Kickstarter.com. Bis zum 25. November kann ihre Geschäftsidee dort finanziell unterstützt werden. TICK-TALK unterhielt sich mit den vier Protagonisten.

Die Protagonisten hinter Einstoffen: Die St. Galler Ramon Büsser, Christian Gisler, Raphael Büsser und Philippe Rieder vom Modelabel Einstoffen wollen nun mit Uhren durchstarten.

Gratulation zu Ihrem Uhren Launch. Wie kamen Sie nach den fashionablen Hemden und den unverwechselbaren Brillen auf die Uhr?

Danke. Das Material Holz faszinierte uns von Beginn weg. Als wir 2012/13 mit den Holzbrillen starteten und uns unsere Produkte immer besser gefielen, kam der Gedanke an eine Diversifikation unseres Sortiments schnell auf – und was passt besser zu einem Schweizer Unternehmen als eine Uhr? Zumal wir das ganze Knowhow sozusagen vor der Haustüre haben? In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder Prototypen bauen lassen, waren aber mit der Qualität und dem Design nie wirklich zufrieden. Ausserdem wollten wir eine Swiss Made-Uhr haben.

Weshalb haben Sie sich bei der Designsprache auf klare Aussagen konzentriert?

Wir wollten uns aufs Wesentliche konzentrieren und die Ästhetik des Materials für sich wirken lassen. Gerade das Material Holz wirkt bereits für sich allein und ein Zifferblatt kann sehr schnell überladen wirken. Das wollten wir verhindern.

Warum bieten Sie drei Grössen an, welche Idee steht dahinter?

Wir haben durch unsere Erfahrung bei den Hemden und Brillen gemerkt, dass Frauen und Männern oft ähnliche Designs gefallen. Leider passen sie dann nicht. Mit den drei Grössen haben wir sichergestellt, dass unsere Uhren fast jedem Handgelenk passen. Massiv oder filigran, das ist dem Kunden überlassen.

Sie benennen Ihre Uhrenmodelle nach bekannten Schweizer Bergen, welchen Hintergrund hat dies?

Wir sind Schweizer, die Schweiz ist unser Lebensmittelpunkt, unsere Heimat. Dazu bekennen wir uns auch mit unseren Uhren Kollektion und Modellen. So zum Beispiel tragen unsere Modelle mit einem Durchmesser von 43 mm die Namen Aescher & Tamaro (beides Quarz Modelle) und Altenalptürm und Maggia (beides mechanische Uhren mit automatischem Aufzug). Die Modelle mit 38 mm Durchmesser tragen die Namen Marmorera & Diavolezza. Und die Modelle mit 30 mm Durchmesser die wohlklingenden Namen Cauma & Safien. Das Bekenntnis zur Schweiz drückt sich auch im Prädikat Swiss Made aus.

Wie kamen Sie beim Gehäuse aufs Holz?

Eine Fassung der Uhren aus Holz war die Grundidee. Es bleibt unserer Linie mit den Holzbrillen treu. Allerdings sind wir stets offen für neue Ideen und Materialien. Wir haben letztes Jahr eine limitierte Edition aus Stahl als Versuchsballon lanciert, da uns die Holz-Designs noch nicht reif erschienen. Das Design überzeugte, daher wollten wir Stahl beibehalten.

Die Uhr-Stahl-Linie lancierten Sie ursprünglich unter der Marke „Time Bandits“, der Name war doch vielversprechend …
Er war zu nahe an „Avenger Bandit“, das gefiel Breitling nicht …

Warum haben Sie sich bei der Wahl des Uhrwerks für ein Ronda und nicht für ein ETA Uhrwerk entschieden?

Ronda ist ein traditioneller und dennoch innovativer Schweizer Uhrwerk-Hersteller mit Jahrzehnten an Erfahrung und hat mit dem Ronda Mecano Cal. R150 gerade ein neues Automatik-Uhrwerk herausgebracht, welches wir nun erstmals in Holzuhren verwenden. Für uns ist die Kombination – pures Holz und pure Mechanik – daher ideal.

Wieviele Uhren wollen Sie im Jahr absetzen?

Das wissen wir noch nicht genau. Wir sind erst einmal froh, dass unser Kickstarter-Projekt grossen Anklang findet und wir im Frühling die erste reguläre Kollektion herausgeben können. Dazu benötigen wir die Unterstützung aller.

Wie wollen Sie diese Uhren absetzen, Direktverkauf oder über den Fachhandel?

Auch das haben wir in erster Linie vom Ausgang des Crowdfunding-Projekts abhängig gemacht. Natürlich möchten wir aber unsere existierende Infrastruktur im Web (einstoffen.ch) und unsere gewachsenen internationalen Verkaufs-Netzwerke für den Vertrieb nutzen.

Was tragen Sie selbst für eine Uhr?

Wir tragen alle verschiedene Uhren. Von unseren eigenen Einstoffen über Swatch und Nixon bis zu teureren Automatik-Modellen von kleinen Marken ist da alles dabei.

Wie sind Sie auf die Preisgestaltung gekommen?

Die Preisrange reicht von 119,00 Schweizer Franken für das Modell Safien bis 489,00 Schweizer Franken für das Modell Maggia. Das war an sich eine klassische Preiskalkulation. Allerdings bieten wir die Uhren auf Kickstarter mit bis zu 40%-Rabatt an, da wir sie voraussichtlich bis Ende Jahr nur direkt vertreiben und damit die erste Kollektion finanzieren und eine erste Nachfrage generieren möchten. Zudem, faire Preise sind uns wichtig, es gehe in erster Linie bei diesem neuen Projekt nicht nur um Profit.

Welchen Stellenwert hat die Zeit für Sie?

Zeit ist definitiv ein sehr rares Gut! Natürlich fehlt es in einem jungen Unternehmen stets an Zeit und Geld. Aber Geld kommt und geht, Zeit kriegt man nie mehr zurück. Daher versuchen wir stets, achtsam mit unserer Zeit umzugehen.

Vielen Dank für das interessante und informative Gespräch.

 

Hier noch der Link zur Kickstarter-Kampagne. Bitte mitmachen.

 

 

 

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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