Donnerstag , 29. Juni 2017
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Die teuerste Uhr der Welt von Chopard mit 201 Karat und 25 Millionen Euro.

Volle Transparenz beim Uhrenkauf wider Willen

In wenigen Tagen müssen Händler bei Einkäufen über 100’000 Franken genauer hinschauen. Für Experten ist die Grenze zu tief. Der Uhrenfachhandel negiert dies, denn verkauft ist verkauft.

Ab dem 1. Januar gelten für Einkäufe ab 100’000 Franken strengere Geldwäscherei-Regeln. Einkäufe über so hohe Beträge sind zwar nicht an der Tagesordnung, doch kommen sie bei Uhren- und Schmuckgeschäften vor. Auch bei Kunstgegenständen oder Immobilien finden sie statt. Im neuen Jahr müssen Händler abklären, wer bei ihnen für so viel Geld einkaufen will, zudem müssen sie das Geschäft dokumentieren. Glaubt der Verkäufer, dass etwas nicht stimmt – etwa weil er den Verdacht hat, dass das Geld gestohlen sein könnte –, muss er die Geldwäschereistelle benachrichtigen.

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Eine Uhr mit 1200 Diamanten für 3,8 Millionen Euro von Hublot

Erst ab 10’000 Franken wirksam

Die Schweiz ist nicht das einzige Land, das eine Obergrenze für Bargeschäfte kennt. In Italien wird sie ebenfalls in wenigen Tagen eingeführt. Dort wird sie 3000 Euro betragen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. In Griechenland liegt sie bei 1500 Euro und soll ein Instrument sein, um gegen die grassierende Steuerhinterziehung vorzugehen. In Schweden gibt es eine Grenze von 15’000 Euro. Ab dann müssen die Händler, wie in der Schweiz, die Käufer identifizieren.

Viele Händler sehen der Einschränkung gelassen entgegen. So grosse Transaktionen kommen sehr selten vor, heisst es bei den vermeintlich Betroffenen. Zudem reichen 100’000 Franken auch bei weitem aus, um einen teuren Sportwagen zu kaufen oder sich mit wertvollen Uhren und Schmuck einzudecken. Bei Geldwäschereiexperten sorgt die hohe Grenze daher für Kopfschütteln, so etwa beim bekannten englischen Ökonomen Charles Goodhart. Er sagte kürzlich zu Bloomberg, dass es die Schweiz Kriminellen damit zu einfach mache. Die Grenze sei daher ein Witz, so Goodhart. Erst wenn sie bei 10’000 Franken sei, würde er sie ernst nehmen.

Schweizer bezahlen lieber bar

Doch auch wenn die Grenze in der Schweiz viel höher liegt als im Ausland, war die Einschränkung im letzten Jahr im Parlament heftig umstritten. Vor allem bürgerliche Kreise wehrten sich dagegen. Die Obergrenze schränke das Recht zur Verwendung des Bargelds ein, hiess es damals. So mancher Politiker liess noch ein anderes Argument durchblicken. Nämlich, dass es dem Staat auch darum gehe, gegen Schwarzgeld im Inland vorzugehen.

Vor allem die 1000er-Note gerät immer wieder unter Verdacht, das Verstecken von Schwarzgeld zu erleichtern. Rund 38 Millionen 1000er-Noten zirkulieren laut der Schweizerischen Nationalbank (SNB) derzeit. Das entspricht fast 10 Prozent aller Schweizer Geldscheine. Das liegt offenbar auch daran, dass sie zum Teil als Wertaufbewahrungsmittel verwendet werden. Doch auch sonst steigt die Zahl der Banknoten rapide an, wie diese Grafik der SNB zeigt.

Doch gibt es auch noch einen anderen Grund, wieso das Bargeld in der Schweiz weiterhin so wichtig ist. Trotz zahlreicher Alternativen wie Kreditkarten oder neuen Zahlungsapps zahlen die Schweizer ihre Einkäufe lieber bar. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass die Schweizer Kartenmuffel sind, wie diese Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich belegen. (SDA)

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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