Dienstag , 14. August 2018
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Was taugt „WATCH AROUND“ wirklich? Der Praxis-Test

Vollmundig bezeichnet sich das reanimierte WATCH AROUND im Tabloid-Format auf Billig Papier gedruckt selbst als das „Unabhängige Uhrenmagazin seit 2007“. Dadurch war meine Erwartungshaltung sehr hoch.

Ich habe mir am Kiosk für 5.50 CHF ein Exemplar – die Gazette No. 25 – gekauft und war durchwegs enttäuscht. Enttäuscht von der Machart, vom Inhalt und von der Gestaltung.

Die Machart

Billig produziert, Zeitungspapier das sich wie Toilettenpapier anfühlt, nicht gebunden, nicht drahtgeheftet, zum sofortigen Genuss, eine Fastfood Journaille.

Der Inhalt

In der Ankündigung wird von Exklusiv-Content und Primeurs gesprochen. Was ich jedoch wieder finde sind Kopien von Pressemappen und immer wieder dieselben Protagonisten wie z. B. der präpotente Georges Kern, der Tausdendsassa Jean-Claude Biver, der designierte Roger Dubuis CEO Jean-Marc Pontroue, David Gouten der nie Budgets für Marketing hat, die innovative Porsche Design und der im Ruhestand befindliche Kurt Klaus, ich hatte ein deja vu Erlebnis, alles schon einmal irgendwo gelesen. Auch der Untergang von DeWitt wurde von uns schon vor Jahren prophezeit. Vielmehr habe ich das Gefühl dass es sich um plumpe PR handelt. Denn auch wir werden mit denselben Pressemappen der Uhrenhersteller täglich zugemüllt. Der Autor PAS stand bei seinen „redaktionellen Beiträgen“ (copy-paste) mit der Orthographie auf Kriegsfuss. Die Texte waren bespickt mit lauter Helveticismen. Beim Stern und Spiegel würde der Autor so nicht eingestellt. Zudem sitzt der Autor in der Jury der Watchstars, einem plumpen Marketing Tool des Ebner Verlags in Ulm, das ihn auf der Stelle disqualifiziert.

Interessant jedoch war der Bericht über den Reformator Jean Calvin, der damals die Uhrenexporte förderte, Teil 2 und Schluss.

Bei einem Total Umfang von 12 Seiten habe ich lediglich 2 1/1 Seitige Inserate, eines von FP Journe (gratis) und eines von der Baselworld (nicht bezahlt) entdeckt. Ein langfristiges Überleben ist so nicht möglich.

Die Gestaltung

Einfach gestrickt, 4 – 5 Spalten Layout, lässt sich rasch mit content füllen ohne gross nachzudenken.

Die beiden Verleger haben sich mit dieser unzureichenden Ausgabe ein Eigentor geschossen.  Ich frage mich wie das Geschäftsmodell dieser beiden Herren mittel- und langfristig aussieht. Wahrscheinlich werden Sie von den Zeilenhonoraren der Bilanz und anderen Schweizer Medien leben und somit die watch around mit ihren Honoraren querfinanzieren.

Die nicht WEMF beglaubigte Auflage von 54’000 Exemplaren, ich bin seit über 40 Jahren im Geschäft, ist so unglaubwürdig. Die Abo’s werden unter Preis verkloppt, damit man spricht man eine Zielgruppe an, die sich die Uhren gar nicht leisten kann. Auf eine solche Zielgruppe verzichtet der Inserent.

Fazit: Die 5,50 Franken teure aber vom Inhalt wertlose Gazette musste ich ins Altpapier geben. Anders war es nicht auszuhalten.

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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