Donnerstag , 20. Juni 2019
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Menschen im Smartphone Rausch

„Wie wir unser Leben mit intelligenten Smartphones und schwachsinnigen Social Media vergeuden ….“

“Social Media kreiert eine Gesellschaft, die Wahrheit mit Beliebtheit verwechselt”, warnte etwa der frühere Facebook-Topmanager Chamath Palihapitiya.

Taschentücher ausgepackt: Es ist wieder diese Zeit des Jahres, in der Weihnachtswerbung kräftig auf die Tränendrüse drückt und Marken versuchen, mit emotionalen Botschaften zu punkten. Mitten ins Herz von Millennials trifft dabei der spanische Spirituosenhersteller Ruavieja, der die Smartphone- und Social Media-süchtige Generation Always On in einem Vierminüter brutalstmöglich mit der Frage konfrontiert, wie oft wir Menschen, die uns etwas bedeuten, im Leben eigentlich noch treffen werden – und wie viel Lebenszeit wir mit Social Media verschwenden.

Keine Frage: 2018 ist das Jahr der großen Social Media-Dämmerung. “Social Media kreiert eine Gesellschaft, die Wahrheit mit Beliebtheit verwechselt”, warnte etwa der frühere Facebook-Topmanager Chamath Palihapitiya bereits vor Jahresfrist. Spätestens seit der Datenaffäre um Cambridge Analytica steht das weltgrößte Social Network am Dauerpranger.

Aber auch Studien unterstreichen die Schattenseiten der sozialen Medien. Den Nachweis, wie schädlich Social Media-Nutzung für die mentale Gesundheit sein kann, liefert vor Wochen die University of Pennsylvania. Eine Kurzstudie belegt, dass Nutzer, die die Verwendung von Facebook, Instagram oder Snapchat reduzieren, weniger anfällig dafür sind, sich einsam und depressiv zu fühlen.

Trotzdem verbringen gerade jüngere Nutzer einen Großteil ihrer Tageszeit mit Social Media. Welche Konsequenzen der ständige Always-On-Modus für das wirkliche Leben hat, hat nun der spanische Spirituosenhersteller Ruavieja in einem bewegenden Weihnachtsvideo herausgearbeitet, das bei YouTube seit dem Launch vor drei Wochen bemerkenswerte 12 Millionen Views eingesammelt.

So weist Ruavieja darauf hin, dass sich die Smartphone-Nutzung in den letzten sechs Jahren verdreifacht hat – mit der Folge, dass wir weniger Zeit mit geschätzten Menschen im realen Leben verbringen als vorher. “Die Menschen sagen immer, dass geliebte Menschen für sie Priorität besitzen, aber die Art und Weise, wie sie ihre Zeit verbringen, unterstützt die Aussage nicht”, erklärt der Psychologe Rafael Santandreu in dem Clip.

In dem Vierminüter hat Ruavieja in Madrid Menschen zusammengebracht, die sich nahe stehen bzw. miteinander befreundet sind. Dann stellt der Alkoholhersteller eine unangenehme Frage: Wie oft werden wir diese Personen in unserem Leben eigentlich noch wiedersehen?

Unter Verwendung von statistischen Daten hat Ruavieja eine Berechnung durchgeführt, die bestimmt, wie viel Zeit für Treffen mit geschätzten Menschen im Leben noch bleibt. Ernüchternde Erkenntnis in vielen Fällen: Tage im zweistelligen Bereich, nicht Jahre. (Nutzer können einen Test in Englisch mit einer Person ihrer Wahl online durchführen.)

Umweltbelastungen verringern, Kosten sparen und Imagege­win­ne er­zie­len, sind Zie­le, die sich vie­le Un­ter­neh­men auf die Fah­nen geschrieben ha­ben. Be­son­ders be­kom­men dies Fuhr­park­ver­ant­wort­li­che zu spü­ren.

So brutal das Ergebnis, so aufrüttelnd ist die Botschaft zu Weihnachten: Können wir nicht alle mal unsere Smartphones weglegen und uns darauf konzentrieren, was wirklich wichtig ist? Familie, Freunde – und kein Social Media.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.