Montag , 26. Juni 2017
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Wieviel „Hublotisierung“ verträgt TAG Heuer?

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Jean-Claude Biver, Chef der LVMH Uhrensparte und Neo-CEO von TAG Heuer, gemeinsam mit seinem TAG Heuer Weggefährten Guy Sèmon

Jean Claude Biver ist im Rahmen seiner Tätigkeit als Chef der Uhrendivision des französischen Luxusgüter-Giganten LVMH der oberste Verantwortliche für TAG Heuer. Beim Relaunch von TAG Heuer nimmt er seine „alte“ Marke Hublot zum Vorbild, ist dies die Garantie für einen erfolgreichen turnaround der Marke TAG Heuer?

Seit der Ankunft des in die Jahre gekommenen und gesundheitlich angeschlagenen erst kürzlich helvetisierten Jean-Claude Biver bei TAG Heuer in La Chaux-de-Fonds blieb kein Stein auf dem anderen. Neuer CEO, neuer Verkaufsleiter, neuer Marketingchef, neuer Servicechef, neue Produktionsleiter für Werke, Zifferblätter, Gehäuse, neuer Servicechef in den USA, neuer Chef für die US-Filiale, neue Chefs in Japan, Deutschland, Frankreich, hiess die Devise.

Zudem wurde die Schliessung der erst im Oktober 2013 eingeweihten Fabrik in Chevenez in der Ajoie nahe der französischen Grenze, wo das Chronographenkaliber CH 80 und das Manufakturkaliber 1887 mit grossen Investitionen hergestellt wurde, von den Sparplänen des turnaround manager und interims TAG Heuer CEO Biver veranlasst. Gemeinsam mit Biver’s Wegbegleiter Guy Sémon will er TAG Heuer in die Zukunft führen.

Für das im Oktober 2013 präsentierte Manufaktur-Chronographenkaliber CH 80 mit Selbstaufzug und Schaltradsteuerung, welches Biver als Konkurrenz im eigenen Haus betrachtet und welches keine Vorteile gegenüber dem 1887 bietet, gibt es vorerst keine Zukunft (mehr). «TAG Heuer braucht in den nächsten zwei bis drei Jahren nur ein Chronographenwerk dieser Art, nämlich das langjährig modifizierte und optimierte 1887. Im Übrigen wird die Marke auch mit Blick auf Wettbewerber wie beispielsweise Longines künftig wieder mehr zugekaufte und damit deutlich preiswertere Uhrwerke verbauen.»

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TAG Heuer Carrera Calibre Heuer 01

Nur negative Schlagzeilen in den Medien werden mit TAG Heuer und Jean Claude Biver in Verbindung gebracht, dies ist nichts neues für Biver, denn Biver polarisiert. Auch intern geriet Biver ins Schussfeld. „Unter Biver sinken die Preise und das Ansehen der Marke“, war die erste Reaktion der TAG Heuer Belegschaft.

Die bisherigen hochfliegenden Pläne des damaligen TAG Heuer CEO’s Jean-Christophe Babin (Babin prägte TAG Heuer vor Stephane Glaser) wurden von Biver sofort auf Eis gelegt.

Mit dem exotischen, weil riemen­getriebenen Automatikkaliber V4 sowie mit ultraschnell oszillierenden Stoppern beispielsweise im Mikrograph, im Mikrogirder oder im Mikrotourbillon S schraubte die Traditionsmarke aus La Chaux-de-Fonds ihre Durchschnittspreise ohne merklichen Einfluss auf den Gesamtumsatz beständig nach oben.

„Mit einem Hochfrequenzkaliber lässt sich zwar der Grand Prix de Genève gewinnen. Weil das auf den Verkauf dieser Uhren ­keinen zu grossen Einfluss hat und niemand wirklich ­beispielsweise einen Tausendstelsekunden-Chronographen braucht, endet nun bei TAG Heuer dieses Kapitel“, bringt es Biver auf den Punkt.

Zukünftig wird sich TAG Heuer auf das Kerngeschäft im Preisbereich zwischen 2.000 und 5.000 Schweizer Franken konzentrieren. „Dort haben wir am meisten investiert“, so Biver im Gespräch.

Biver hat auch der Carrera ein Redesign verordnet. Warum denn der Carrera und nicht der Monaco? „Die Carrera ist unser täglich Brot. Wir verkaufen viel mehr Carreras als Monacos“, so Biver.

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Das TAG Heuer Carrera Tourbillon Heuer 02

„Das ist der Look der Zukunft“, meint Biver euphorisch. „So werden alle Carreras mit der Zeit aussehen. Er kommt mit unserem neuen Werk: Wir haben das Kaliber 1887 redimensioniert und neu bearbeitet. Wir nennen es jetzt Heuer 01. Diesen neuen Chronographen bieten wir für 4.900 Schweizer Franken an. Das ist ein sehr kompetitiver Preis. Und bald danach bringen wir einen Chronographen mit Tourbillon für nur 14.900 Schweizer Franken“.

14 900 Schweizer Franken sind ein kompetitiver sagen wir unschlagbarer Preis. Weshalb dieser unschlagbare Kampfpreis? „Indem wir alles selber herstellen und nicht, wie manche andere, teuer einkaufen. Wir haben unsere gesamten Produktionszellen saniert und rentabel gemacht“, rechtfertigt sich Biver im Gespräch.

TAG Heuer kündigt für Herbst 2015 eine Smartwatch an. „Das war unsere grösste Herausforderung“, sagte Biver, „wie können wir eine Uhr mit Anbindungen herstellen, die wie eine normale Uhr mit der normalen DNA der Schweizer Uhren aussieht“.

TAG Heuer Connected. So wird die erste Smartwatch des Luxusuhrenhersteller letztendlich heißen. Die Weltpremiere wird die TAG Heuer Connected Watch am 9. November in New York City feiern. Basis für die TAG Heuer Connected wird das Carrera Modell sein.

Die TAG Heuer Smartwatch wird nicht wie angekündigt $ 1.400 sondern $ 1.800 kosten. Apple meinte, dass man Smartwatches ab $ 1.500 verkaufen, die Preisrange bei Apple bewegt sich zwischen $ 1.099 und $ 17.000 für die limited Edition. Die Smartwatch wird mit ihrem Google Android-Betriebssystem gegen Apple antreten. Biver meinte auch, es sei lächerlich zu versuchen die Apple Watch zu konkurrenzieren, jedoch könne er keine besseren Partner wie Google und Intel im Boot haben. TAG Heuer wird auch gegen Gucci mit einem Smartband antreten.

Zur Kooperation von Apple mit Hermès meinte er: „Ich liebe die Apple Hermès Ausführung, weil sie aufzeigt, dass die Smartwatch den Luxusmarkt geknackt hat!“

Fazit: Für mich persönlich wirkt die gesamte TAG Heuer Produktepalette sehr stark ‚hublotisiert‘. Ich bin gespannt wie der anvisierte Kundenstamm darauf reagieren wird. TAG Heuer hat ja in den letzten Jahren immer noch beachtliche Zahlen – schwarze Zahlen – geschrieben, was mich – der noch Heuer ohne TAG – kennt sehr verwundert da die Kollektion ja sehr einfältig war. Die Codes oder Icons der Produkte wurden meines Erachtens durch die vielen verschiedenen Modelle verwaschen , eine Gefahr die ich auch aktuell bei Omega sehe. Es gibt eine Neuausrichtung bei TAG Heuer, ob diese mit den gleichen Rezepturen wie bei Hublot gelingt bleibt offen. Denn Erfolg lässt sich bekanntlich nicht wiederholen.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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