Samstag , 18. November 2017
Home / Life & Style / Gents of Switzerland: „Wir tragen, was uns gefällt“

Gents of Switzerland: „Wir tragen, was uns gefällt“

Die „Gents of Switzerland“ – wie sich das Trio Viji, Roger und Iman nennen – haben sich der Mode verschrieben. Tick-Talk im Gespräch mit den adretten jungen Herren in ihren bunten massgeschneiderten Anzügen über Mode und Stil, und was alles dazugehört.

Wie ist Euer Projekt zustande gekommen?

Wir haben uns in einem Modefachgeschäft kennengelernt, wo Viji und Iman arbeiten. Bei jedem Treffen haben wir uns über Mode und gutes Essen unterhalten. Uns ist beides sehr wichtig.

Gents of Switzerland, wer seid Ihr eigentlich?

Wir sind drei Jungs aus Zug, dem Aargau und Zürich und haben allesamt schon immer grossen Wert auf unser Outfit gelegt. Als wir die gemeinsame Leidenschaft entdeckten, haben wir den Blog Gents of Switzerland ins Leben gerufen.

Was wollt Ihr mit dem Blog erreichen, Modeblogs gibt’s ja schon genug?

Uns geht es nicht in erster Linie um Mode. Uns geht es darum, zu zeigen, dass man stilvoll durchs Leben gehen kann, egal welcher Kultur man angehört oder aus welchem sozialen Umfeld man kommt. Natürlich wollen wir Menschen mit unserem Sinn für Mode erreichen und es freut uns stets, wenn wir Rückmeldungen von anderen Männern erhalten, die sich durch uns inspirieren liessen. Es wäre schön, wenn wir die Schweizer dazu animieren könnten, wieder mehr elegante und stilvolle Kleidung zu tragen – wie früher?

Was versteht Ihr unter Ausgefallenes?

Wer schon mal an einem grösseren Bahnhof stand und sich das Treiben angeschaut hat, sieht eine ziemlich öde Modelandschaft. Gestresste Anzugträger in schwarzen Anzügen, uniform gekleidete Jugendliche und vom Instagram-Einheitsbrei inspirierte junge Frauen. Viele möchten ausgefallen sein, ordnen sich dabei jedoch nur irgendwelchen Trends unter und sehen dann wieder genauso aus wie der Durchschnitt. Wir möchten Farbe und Abwechslung ins Spiel bringen. Warum nicht mal ein königsblaues Sakko? Oder ein grün/blauer Anzug. Ein Doublemonk-Loafer oder rot/weisser Lackschuh? Ausgefallen muss es jedoch nicht immer sein. Denn auch bei einem dezenten Business-Outfit können wir uns riesig an kleinen Details erfreuen. Zum Beispiel die eingestickte Inschrift «Gents of Switzerland» im Kragenfilz.

Wie lange braucht Ihr morgens bis ihr angezogen seid?

Das Anziehen dauert wohl nicht länger als bei den meisten anderen Männern. Was wir jedoch lieben, ist den Morgen zu zelebrieren. Aufstehen, gemütlich und ohne Stress einen Kaffee trinken, eine gemütliche Dusche mit erster Bartpflege. Danach folgt die Gesichts- und Bartpflege. Mit Öl und Balsam und je nach dem mit Moustache-Wachs bändigen wir liebevoll unsere Bärte, frisieren uns und suchen anschliessend das Outfit aus dem Kleiderschrank, dass zu unserer aktuellen Stimmung passt. Uns macht das ganze keine Mühe, es ist keine Belastung. Es ist vielmehr ein inspirierender Start in den Tag.

Wenn’s jedoch mal schnell gehen muss, würden es wohl auch wir in rund 15 Minuten aus dem Haus schaffen. Aber wir versuchen dies wenn immer möglich zu vermeiden.

Putzt Ihr Euch in jeder Lebenssituation so heraus?

Nein, auch wir chillen sonntags mit der Trainerhose auf dem Sofa. Ein kurzer Gang an die Tankstelle, um den leeren Kühlschrank zu kompensieren liegt ebenfalls mal ohne Anzug drin.

Wie viele Anzüge hängen in euren Schränken?

Pro Person  zwischen 10 und 20. Tendenz jedoch stark steigend, wenn wir nicht regelmässig ausmisten und alte Anzüge aussortieren. Ausserdem haben wir Hunderte von Socken, Einstecktüchern, Manschettenknöpfen, Krawatten und Fliegen in allen Farben.

Was bevorzugt Ihr generell, Feinmass oder Konfektion?

Natürlich ist Feinmass edler, die Passform wohl noch perfekter und die Optionen vielfältiger. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Konfektion für uns mehr Sinn ergibt. Nicht nur die Kosten sind natürlich ein Argument für junge Männer wie uns. Für uns ist es auch praktisch, das wir nicht viel Zeit für Fittings aufwenden müssen und die industrielle Verarbeitung heutzutage mindestens an die Qualität eines Massschneiders herankommt.

Wer ist euer Lieblings-Schneider?

Gibt es wohl keinen. 🙂

Ist das nicht ein teures Hobby?

Klar, braucht es Geld. Aber Stil alleine kostet ja nichts. Man kann sich auch mit wenig Geld gut einkleiden. Dafür führen einige Kleiderläden bereits gut sortierte Herrenabteilungen. Und dort gibt’s teilweise auch schon um die CHF 250.00 schöne Sakkos. Und dieses Geld können sich wohl die meisten mal zusammensparen, zum Beispiel indem man im Ausgang mal etwas zurückhaltender ist. Mit der Zeit hat man auch eine umfangreichere  Garderobe und kann durch Kombination von Basics  ganz neue Styles  kreieren.

Und wie siehts mit Schuhen aus, sicher legt Ihr auch grossen Wert auf perfektes Schuhwerk?

Ja klar, diese sollten vor allem zum Outfit passen. Wenn zum Beispiel das Schuhleder farblich auf die Ledereinlagen einer Herren-Tasche abgestimmt ist, wirkt das Outfit gleich viel harmonischer.

Welche Schuhmarke darf es denn sein?

Seit kurzem setzten wir bei unseren Schuhen auf das alte Handwerk. Roger, der mit seiner Unternehmung «Sprezzatura Tailor Made» vor kurzem in Cham Nebenberuflich als Masskonfektionär gestartet hat, führt in seinem Sortiment auch Schuhe auf Halbmass, die komplett individualisiert werden können. Produziert werden diese in Neapel von pensionierten Schuhmachern, die sich dadurch ihre magere Rente aufbessern können. Der Jüngste ist 75 Jahre alt.

Gehören Uhren auch zu Eurem Gesamtkunstwerk?

Natürlich verachten wir keine schönen Uhren. Im Zentrum stehen sie bei uns jedoch ehrlich gesagt nicht. Unser Wissen über Uhren hält sich im Gegensatz zur Mode entsprechend auch etwas in Grenzen. Eine von seiner Grossmutter erhaltene Taschenuhr von Bucherer ergänzt regelmässig das Outfit von Roger. Aber auch Viji setzt regelmässig auf Uhren verschiedener Hersteller.

Darf ich fragen wie viele Uhren ihr habt, welche Marken Ihr warum bevorzugt  und auf was Ihr beim Kauf von Uhren schaut?

Wenn Roger eine Uhr trägt, dann ausschliesslich die vorerwähnte Taschenuhr von Bucherer. Viji besitzt zwei Uhren. Eine von Fossil und eine von Louis Erard. Iman besitzt eine Louis XVI Gold limited Edition, 2 von Giorgo Armani, eine Daniel Wellington sowie eine Casio in Gelbgold (oldschool). Also auch bei ihm nichts Weltbewegendes. Sie sehen, wir sind noch jungfräulich und unverdorben, was Uhren betrifft und stehen gerne als Markenbotschafter für eine renommierte Marke zur Verfügung.

Sind Manschetten-Knöpfe auch ein Thema für Euch?

Klar, je nach Outfit und auf die restlichen Accessoires abgestimmt dürfen es auch gern Mal Manschettenknöpfe sein. Auch hier darf’s gerne etwas spezieller sein. Die modernen Ausführungen zum Beispiel mit Karbon-Oberfläche sind nicht ganz auf unserer Wellenlänge.

Was sagen eure Freundinnen zu soviel modischem Selbstbewusstsein?

Das kommt ganz drauf an. Wie es scheint erzählen sie ihren Freunden gerne von unserer modischen Seite. Beim gemeinsamen Shoppen halten auch sie die Augen offen. Da kommt dann schon auch mal ein Input wie beispielsweise «Schatz schau mal, das würde zu deiner grünen Krawatte passen».

 

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.