Samstag , 18. November 2017
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Zuhause bei Antoine Preziuso

Die Fahrt vom Genfer Flughafen dauerte 30 Minuten, der schlecht gelaunte Taxifahrer schmiss mich entnervt aus dem Wagen, da er die Anschrift in xxxxxxxxxxxxxxx (darf aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden!), unweit der französischen Grenze, leider nicht finden konnte, dies obwohl die Fahrt 60 Schweizer Franken kostete. Ich stand also hilflos ob soviel Unhöflichkeit in der Pampa völlig auf mich alleine gestellt. Ich rief May seine charmante Frau an und ein paar Minuten später pickte mich Antoine mit seinem schwarzen VW Tourag, Baujahr 2006, auf. Die Begrüssung war sehr herzlich. Seit 8 Jahren hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Damals befand sich sein  Workshop in Plan-les-Ouates, in der Nähe von Piaget und Patek Philippe, heute befindet sich dort seine Produktion mit CNC Maschinen und vier Mitarbeitern, die von seinem Sohn Florian, Uhrmacher in dritter Generation, geführt wird. Florian trug eine B-Side Automatic mit einem modifizierten ETA 2894 Automatik Kaliber.

Antoines neuer Workshop, ein typisches liebevoll restauriertes Genfer Landhaus, im Entree ein Sofa und ein Cheminee lädt ein zum länger bleiben. Alles geschmackvoll eingerichtet, alte Uhrmacherwerkzeuge, alte Etabli‘s, alte und neue Skizzen, eine Menge von historischen Uhrenbüchern, auf Schritt und Tritt wird man von der Antoine’s Geschichte verfolgt.

stand_44Wenn man durch den Workshop geht und sieht, wie viel Zeit sogar in die kleinsten Details einer Antonio Preziuso Uhr investiert werden, wird einem schnell bewusst, dass Produktionsrekorde und hohe Absatzziele hier nicht an erster Stelle stehen. Anstelle dessen, liegt die Betonung auf der konstanten höchsten Qualität aller Produkte – die Grundlage für exklusive und langanhaltende Beziehungen zu seinen Kunden.

Antoine Preziuso teilt sich die Haushälfte des Genfer Landhauses, die er zum Workshop umfunktionierte, mit dem grosszügigen Inhaber des beeindruckenden weitläufigen Anwesen, einem belgischen Industriellen, der in Brasilien eine grosse Nummer ist. Dieser Industrielle hält sich vielleicht 2 Wochen im Jahr in seinem Haus auf. „Schade, dass er überhaupt nicht Uhrenaffin ist, er macht sich nichts aus Uhren“. Stolz zeigt mir Antoine, er ist ein grosser Oldtimer Fan, die Garage seines Vermieters, der ihn auch aufforderte, seine Schätze in seiner Abwesenheit zu bewegen. Darunter befinden sich Raritäten wie zum Beispiel ein Jaguar E Type, Serie 2, in dunkelblau, – ein Aston Martin DB3, in British Racing green, – ein roter Porsche 911 Turbo, – ein Rolls Royce Silver Cloud aus dem Jahre 1959 in Anthrazit, und last but not least ein schwarzer gepimpter Porsche Cayenne, der nur so vor PS strotzt

Hinter seinem Workshop befindet sich das Privathaus von Antoine das Tabu für mich ist, Geschäft ist Geschäft, Privat ist Privat.

Doch zurück in den Workshop zum «Tourbillon of Tourbillons» (wir haben in der Jubiläumsausgabe des Tourbillon Magazins ausführlich darüber berichtet) einem seiner letzten Neuheiten, das er zur Baselworld präsentierte Zehn Jahre Entwicklungszeit stecken in diesem Projekt. Zusammen mitseinem Sohn Florian hat der unabhängige Uhrmachermeister drei Tourbillonkäfige auf einer Drehscheibe platziert, die gemeinsam für die einzigartige Präzision dieser Uhr in allen Positionen sorgen. Jedes dieser Tourbillons vollzieht eine vollständige Umdrehung pro Minute, während die Scheibe, angetrieben von einem völlig neuartigen Dreifach-Planetengetriebe, sich einmal in 10 Minuten dreht – und mit ihr die als Dreieck in ihrem Zentrum angeordneten Tourbillons. Für ultimative Präzision sorgt die Nähe der drei Regelorgane zueinander, denn so beeinflussen sie sich gegenseitig und schwingen alle mit einer stabilen Frequenz. „Wenn ein Tourbillon ausfällt, läuft die Uhr weiter auch wenn zwei ausfallen“, erklärt mir Antoine die Funktionsweise seiner Uhr.

Angetrieben wird die Uhr mit einem mechanischen Handaufzugskaliber, dem Manufakturkaliber Antoine Preziuso AFP-TTR-3X, mit einem parallel geschaltetem Doppelfederhaus, 3 „Planeten“-Tourbillons, 65 Lagersteine, Schwingfrequenz 3 x 21.600 Halbschw./h, und einer Gangreserve, Antoine spricht von Power Indicator, von mindestens 48 Stunden.Das „Power“ Gehäuse besteht aus einer Kombination aus Stahl, Rotgold 18 K und Titan Grade 5, ist mit einer 45 mm Lünette verschraubt mit 8 seitlichen Pfeilern in Rotgold 18 K und 24 „Power“-Schrauben aus Titan Saphirgläser entspiegelt.

Der Preis für dieses Meisterwerk: 420,000 Schweizer Franken. Hierbei handelt es sich um eine limitierte Serie von 5 Exemplaren die 2015 ausgeliefert werden.

Frühzeitig fasziniert vom Uhrenbau, studierte Antoine Preziuso (Jahrgang 1957) an der Genfer Uhrenmacher Schule und schloss diese mit einem hervorragenden Diplom im Jahre 1974 als »Restaurierer und praktizierender Uhrenmacher« ab. Seit 1980 ist er unabhängiger Meisteruhrmacher. 1974 Er hatte den besten Abschluss seines Jahrgangs an der Ecole d’Horlogerie de Genève und im Milieu der Haute Horlogerie anerkannt. Nachdem er beim führenden Uhren-Auktionator »Antiquorum« mitarbeitete, eröffnete er seine eigene Werkstatt in Genf und wurde Mitglied der »Genfer Cabinotiers«. Hier machte er sich schnell einen Namen, sowohl für seine sorgfältigen und sehr genauen Restaurationen und Reparaturen als auch für die Neuentwicklung von Originalen, und oft sehr komplizierten Uhren, für namhafte Marken.

1995 stellte für ihn einen Meilenstein dar: Erstmalig präsentierte er Uhren unter seinem eigenen Namen auf der Uhren und Schmuck-Weltausstellung in Basel, auf dem Messestand der AHCI. 1996 lancierte er dann offiziell seine eigene Marke. Seitdem versucht er die technischen Herausforderungen immer weiter anzuheben und entwickelt nie dagewesene Neuheiten in Bezug auf Außenmaterial (zum Beispiel die charakteristische Nutzung von Metall-Meteorit „Gibeon“ und Werke wie das revolutionäre „3Volution“ Dreifach-Tourbillon zur Feier seines 25. Selbstständigkeits-Jubiläum.

Die Philosophie von Antoine Preziuso Geneve kommt in seinen drei wichtigsten Werten zum Ausdruck: Unabhängigkeit, Kreativität, und als Antriebskraft: Leidenschaft. Von einer absoluten Freiheit profitierend, sowohl was die Kreation, aber auch was die Vermarktung betrifft, diversifiziert sich die Produktpalette, indem sie neue technische und ästhetische Lösungen wagt und seltene Materialien wie zum Beispiel einen Meteorit verarbeitet. Die Positionierung seiner Marke auf dem Luxussektor ermöglicht Antoine Preziuso, in kleiner Auflage zu produzieren und so eine absolute Kontrolle über die Qualität seiner Zeitmesser zu behalten. Sein Team ist sehr klein und besteht aus ihm, seiner Frau May (Marketing & Kommunikation, Administration), seinem Sohn Florian und seiner Tochter Laura (Schmuckdesignerin). Andere Mitarbeit sind Freelancer. Seine Marke ist im Besitz von mehreren Patenten. Soviel ich weiß, hat er noch 2 eigene Boutiquen (die in Genf hat er vor einigen Jahren nach mehreren Einbrüchen, geschlossen). Er ist besonders gut in Japan repräsentiert und neuerdings von Ekso Watches in Paris.

2015 zelebriert er sein 35. Jähriges Berufsjubiläum. Was er in der Pipeline hat, verriet er mir nicht, aber Antoine ist immer für eine Überraschung gut.

About Karl Heinz Nuber

Jahrgang 1951, war einer der ersten Journalisten, der sich dem Thema Zeitmesser hauptberuflich annahm. 2005 lancierte er das TOURBILLON - Das Schweizer Magazin für Uhren, Menschen, Life & Style. Heute ist er ein international gefragter Berater, Autor, Dozent, Talk-Gast und ausgewiesener Experte für Uhrensammlungen und Sammleruhren.

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